Pandemie adé: Was war das für ein Stress! Aber wir sind gut durchgekommen

Die deutsche Corona-Bilanz ist im Vergleich zu anderen Ländern nicht schlecht. Jetzt gilt: Aus dem Unheil lernen, heißt siegen lernen. Fürs nächste Mal.

Kaum jemand bestreitet heute die Wirksamkeit von Mund-Nasen-Masken. Das war zu Beginn der Pandemie anders.
Kaum jemand bestreitet heute die Wirksamkeit von Mund-Nasen-Masken. Das war zu Beginn der Pandemie anders.dpa/Sven Hoppe

China verblüfft mit seiner Covid-Politik – das vermeintlich planvoll gelenkte Land lässt nach zwei Jahren strenger Null-Corona-Politik überstürzt die Beschränkungen fallen. Lange beharrte die chinesische Führung auf der politischen Botschaft an die Welt: „Bei uns sorgt die Kommunistische Partei für sichere Gesundheit, während in demokratisch regierten Ländern Covid-Chaos herrscht.“

Aber das stumpfe Zusperren ganzer Städte war spätestens sinnlos geworden, als die hoch ansteckende Omikron-Variante Dominanz erlangte. Die ideologische Blockade, gepaart mit zögerlicher Impfpolitik und schwacher Immunität, führte das Land tief in die Sackgasse – so tief, dass die Führung die aufflammenden Proteste zur kompletten Kehrtwende nutzte. So, als hätte sie darauf gewartet. Nun hat halb Peking Corona, Millionen sind krank, Zahlen werden nicht veröffentlicht. Das Gesundheitswesen wankt.

Der Virologe Christian Drosten sieht den chinesischen Fehler darin, „dass in der Bevölkerung, insbesondere in der älteren, kein Bewusstsein für das Impfen entstanden ist“. In Deutschland und Europa sei die Impfkampagne der entscheidende Schritt bei der Bekämpfung der Pandemie gewesen.

Jetzt, da das Ende der Pandemie in Deutschland ausgerufen ist und der ferne Nachhall anstrengender Zeiten in China gelassen analysiert werden kann, darf man sagen: Wir sind vergleichsweise gut durchgekommen, und wir haben viel über unser Land, über Nachbarn, Freunde, Familie gelernt. Über die Fähigkeit zu solidarischem und besonnenem Handeln, über das Glück, mit Vernunft und Bedacht agierende Politiker zu haben (Man erinnere sich an Angela Merkels Mahnung: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“)

Dankbar können wir auf die Leistungen hier arbeitender Wissenschaftler blicken: Hier wurde der erste Covid-Test bereitgestellt (Drosten), einer der wirksamsten Impfstoffe entwickelt (Biontec) und in Rekordtempo produziert.

Von Gates' Chips bis Parkbankverbot

Wir haben aber auch gelernt, wie egoistisch und irrational Menschen unter Stress reagierten: sich beim Impfen vordrängelten, sich als empfänglich für Verschwörungstheorien erwiesen (Bill Gates bestückt die Menschheit durch Impfen mit Kontrollchips), sich weigerten, auch nur kleine Solidarleistungen für Gefährdete zu erbringen oder Einschränkungen zu ertragen.

Ja, die langen Lockdowns belasteten alle, besonders die Kinder. Aber sie haben vor allem am Anfang der Pandemie bewirkt, was sie bewirken sollten: die Infektionswelle abflachen, das Gesundheitswesen vor dem Kollaps bewahren, die Zahl der Toten minimieren. Das ist, zumal im Vergleich zu anderen Ländern wie Brasilien und den USA, gelungen.

Sogar die Demokratie hat überlebt. Düstere Gesänge vom Ende der Freiheit erweisen sich als ebenso übertrieben wie manche Corona-Einschränkung, etwa das Verbot, auf Parkbänken sitzend zu verweilen. Den Bürgern wurden Freiheiten genommen, mehr als erforderlich. Doch zu behaupten, dies sei in der Absicht geschehen, Freiheiten dauerhaft zu beschneiden, war immer absurd und hat sich längst als Verschwörungsgeschwätz erwiesen.

Die Konflikte waren hart, viele Familien und Freunde arbeiten noch heute an der Versöhnung. Jens Spahn sagte einst ganz richtig: „Wir werden einander viel zu verzeihen haben.“ Das war zu einer Zeit, als man nichts bis wenig über das Virus wusste und Fehleinschätzungen kursierten. Man denke nur an die Maskendebatte. Jetzt bestreitet kaum einer mehr die Wirksamkeit im Ernstfall. Im Nachhinein ist man immer klüger.

Nur zögerlich lernen auch die Medien aus ihren Fehlern, obwohl deutlich wurde, wie sehr das Ausgrenzen von Andersdenkenden, gar deren Diffamierung, schadet. Andere Meinungen sollen gehört und diskutiert werden. Das Ausblenden unpassend erscheinender Meinungen läuft dem eigenen, hohen Demokratieanspruch zuwider.

Das Lernen ist nicht vorbei. Selbst wenn keine neue gefährliche Variante mehr auftaucht, belastet Corona noch die Gesellschaften. Die aktuelle Infektionswelle folgt aus der in Lockdown-Zeiten ausgebliebenen Immunisierung gegen Alltags- und Kinderkrankheiten. Die andauernde, außergewöhnlich hohe Übersterblichkeit des Jahres 2022 in Deutschland ist offenbar ein indirekter Corona-Effekt.

Doch insgesamt konnte in Deutschland dank Wissenschaft und Verantwortung Schlimmeres verhindert werden. Zu unser aller Glück.