Bundeskanzler Olaf Scholz beglückwünscht sich in diesen Tagen vermutlich regelmäßig selbst zu seiner exzellenten Personalauswahl. Jener Minister, den er lediglich auf das Drängen von außen in seine Mannschaft genommen hat, weil er befürchtete, er könnte kaum steuerbar sein – ausgerechnet jener Minister namens Karl Lauterbach steuert sich selbst geradezu mustergültig auf Scholz-Kurs. Das hat sich am Mittwoch in der Bundespressekonferenz sehr deutlich gezeigt.

Am Vorabend hatte die Ministerpräsidentenkonferenz gemeinsam mit der Regierung das getan, was sie am besten kann: Sie hat unangenehme Entschlüsse in Sachen Pandemie vermieden. Früher hätte Karl Lauterbach am Tag danach sehr ernst seine Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass man angesichts der drohenden Omikron-Welle mehr tun müsse. Jetzt aber sieht die Republik einen Gesundheitsminister gleichen Namens, der erläutert, dass Kontaktbeschränkungen die richtige Maßnahmen sind, auch wenn sie erst nach Weihnachten kommen.

Neben ihm saß Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Institutes (RKI), das am Tag zuvor mit einer Stellungnahme für mächtig Ärger in der MPK gesorgt hat. Das RKI hatte noch während des Bund-Länder-Gipfels am Dienstag einen Tweet abgesetzt, in dem „maximale Kontaktbeschränkungen“ gefordert wurden und das ab sofort. Das hatte für Ärger gesorgt, doch beide Herren dimmten den Konflikt erwartungsgemäß herunter. Man habe das gleiche Ziel, versicherte Wieler und Lauterbach erklärte, dass man gemeinsam nach vorne schauen wolle. Das sagen Politiker immer, wenn die Aufarbeitung zu schmerzlich oder zu gefährlich wäre. Es ist schon so: Das Amt verändert den Menschen mehr als der Mensch das Amt. Wir alle werden in den nächsten Monaten gemeinsam herausfinden, was das für Karl Lauterbach und die Bewältigung der Pandemie bedeuten wird.