In Zeiten der Krise haben Falschmeldungen Hochkonjunktur.
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BerlinAm Wochenende machte in Elternnetzwerken eine Sprachnachricht die Runde. Dort meldete sich die Mama von Poldi und erzählte von einer Freundin an der Uni Wien. Dort hätten Wissenschaftler untersucht, warum in Italien so viele Tote zu verzeichnen sind. Das Ergebnis: Die Leute mit schweren Symptome hatten vorher angeblich das Schmerz- und Fiebermittel Ibuprofen genommen.

„Ibu beschleunigt die Vermehrung des Virus“, sagte die Frau und empfahl Paracetamol. Vor allem aber bat sie ausdrücklich darum, ihre Nachricht weiter in den sozialen Netzwerken zu verbreiten.

Innerhalb einer Stunde weg

Damit war eine Nachricht in der Welt. Fakt oder Fake News? Das war die Frage. Beim Abholen eines Paketes in der Apotheke also einfach mal nachfragen. Die Frau zeigte auf das leere Fach für Paracetamol. „Alles innerhalb einer Stunde weg. Ibu haben wir noch reichlich.“ Sie kannte die Theorie nicht, hatte nun aber eine Erklärung für den raschen Absatz von Paracetamol. Nachgefragt hatte bei ihr bislang niemand. Wohl aus Scham.

Sie hegte jedenfalls erhebliche Zweifel daran. Etwas später meldete sich die Uni Wien zu Wort, die ja die bahnbrechende Erkenntnis gewonnen hatte: „Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um Fake News handelt, die in keinerlei Zusammenhang mit der Medizinischen Universität Wien stehen.“

Angeblich sichere Quellen

In Zeiten der Krise haben solche Falschmeldungen und Verschwörungstheorien meist Hochkonjunktur. Es gab auch die Meldung, dass Aldi, Lidl & Co. von Montag bis Mittwoch ganz dicht machen. Die Information stamme aus sicherer Quelle, dann das sei den Mitarbeitern der Supermärkte mitgeteilt worden. Andere melden, die Läden dürften  nur noch zwei Stunden pro Tag geöffnet. Aldi sah sich gezwungen zu reagieren: „Unsere Märkte öffnen ganz normal.“

Die Bundesregierung rät von Hamsterkäufen ab und verweist sicherheitshalber zur Begründung auf das Krisenland Italien – dort seien die Supermärkte weiter geöffnet.

Natürlich gibt es auch die wildesten Gerüchte über Heilmittel: Kiffen, heißes Wasser trinken oder viel Knoblauch essen. Einige Chinesen sollen mehr als ein Kilo Knoblauch am Tag gegessen haben und hatten dann große Probleme im Rachen. Andere behaupten, aufgeschnittene Zwiebeln in Wohnungen würden das Virus aus der Luft saugen.

WHO warnt vor „massive Infodemie“

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt schon seit längerem vor einer „massiven Infodemie“, also eine unübersichtliche Flut von wahren Meldungen und vor allem falschen Meldungen zu Corona. Grundsätzlich gelte: Lebensmittel seien kein Gegenmittel gegen Viren.

In Indien sind Kühe heilig, und so preisen dort sogar Politiker deren Urin als Gegenmittel an. Es werden auch  Kuhdung-Kuchen und Räucherstäbchen empfohlen, die das Virus angeblich töten.

Auch lebensgefährliche Tipps

Andere machen noch absurdere und vor allem gefährliche Vorschläge: Bleichmittel trinken oder verdünntes Arsen.

Fast beruhigend bei all der Panikmache ist da einen Nachricht, mit der Esoteriker dazu aufrufen, um 15 Uhr zu Hause zu „sitzen“ und die eigene Energie für die Rettung vor Corona zur Verfügung zu stellen. „Sitzen wir gemeinsam mit der geistigen Welt für Heilung der Welt von Angst und dem Virus und den Folgen.“