Berlin - Bei der Trauerfeier für den früheren französischen Präsidenten Jacques Chirac ist es zu einer schweren protokollarischen Panne gekommen: Der für Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) vorgesehene Platz in Paris blieb am Montag leer.

Schröders Büro hatte mitgeteilt, dessen Wunsch nach Teilnahme sei von französischer Seite abgelehnt worden. Der Elysée-Palast sprach von einem „Missverständnis“. Schröder war einer der wichtigsten europäischen Weggefährten Chiracs. Der SPD-Politiker hatte den früheren Staatschef nach seinem Tod als „Freund“ bezeichnet, den er „persönlich sehr geschätzt“ habe.

Gemeinsam gegen Bushs Irak-Krieg

An der Seite von Schröder stemmte Chirac sich 2003 gegen die Irak-Angriffspläne des damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Für diesen Protest gegen den amerikanischen Irak-Krieg blieb er international in Erinnerung. „Europa hat einen ganz Großen verloren“, schrieb Schröder am Montag in einem Gastkommentar in der Zeitung „Die Welt“. Chirac habe die deutsch-französische Freundschaft gelebt.

Nach Angaben des Pariser Präsidentenbüros war für den Altkanzler sowohl ein Platz bei dem Trauergottesdienst in der Pariser Kirche Saint-Sulpice reserviert als auch bei einem anschließenden Mittagessen mit Präsident Emmanuel Macron und anderen amtierenden und früheren Staats- und Regierungschefs. Schröder wusste davon aber nichts und reiste deshalb gar nicht erst nach Paris, wie sein Büro mitteilte.

Zunächst hatte es geheißen, die Protokollabteilung des Elysée-Palastes habe den Teilnahme-Wunsch des Altkanzlers abgelehnt und auf den begrenzten Platz in der Kirche Saint-Sulpice verwiesen. Dabei handelte sich es nach Elysée-Angaben aber um ein „Missverständnis“: Eine offizielle Einladung habe es für keine der dutzenden internationalen Gäste gegeben, hieß es. Stattdessen sei nur der protokollarische Weg beschritten worden.

Nach Bekanntwerden dieser Stellungnahme erklärte Schröders Büro, offenbar habe es sich um ein „Kommunikationsproblem“ gehandelt. Der französische Fernsehsender LCI sprach von einem „Misston“ bei den Trauerfeiern für Chirac.

Die Zeitung „Le Figaro“ nannte den Vorgang einen „Schnitzer“ und verwies auf das angespannte Verhältnis zwischen Paris und Berlin. „Seit Chirac und Schröder sind die Beziehungen zwischen Paris und Berlin nicht mehr von der gleichen Nähe und dem Einverständnis geprägt, das Fortschritte in Europa erlaubt“, kommentierte das Blatt.

Chirac war am Donnerstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Er war von 1995 bis 2007 französischer Präsident, Schröder von 1998 bis 2005 deutscher Bundeskanzler. 

An der Trauerzeremonie für den verstorbenen Präsidenten nahmen dutzende Staats- und Regierungsspitzen aus der ganzen Welt teil. Darunter waren der russische Präsident Wladimir Putin und der frühere US-Präsident Bill Clinton.

Deutschland wurde durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten. Auch Vertreter aus der arabischen Welt waren anwesend, etwa der Emir von Katar. Den Trauergottesdienst feierte der Pariser Erzbischof Michel Aupetit.

Er würdigte Chirac als „warmherzigen“ Menschen, der soziale Belange und die Familie im Blick gehabt habe. Zudem habe er Frankreich vor der Teilnahme an einem „ungerechten Krieg“ bewahrt, sagte der Erzbischof unter Anspielung auf den US-geführten Irak-Krieg. Nach der Trauermesse wurde Chirac im kleinsten Kreis auf dem Pariser Friedhof Montparnasse beigesetzt.

Dort ruht er auf Wunsch seiner Frau Bernadette in dem Familiengrab, in dem bereits seine 2016 verstorbene Tochter Laurence begraben liegt. In französischen Schulen und Behörden wurde zudem mit einer Schweigeminute an Chirac erinnert. (afp)