Klassenfahrt zur Papst-Trauerfeier: Wieso müssen die Staatsspitzen alle nach Rom?

Auch Regierungsflugzeuge können abstürzen. Und trotzdem fliegt die Politprominenz gemeinsam nach Italien. Sind Sparmaßnahmen der Grund dafür? 

Deutsche Politiker erweisen Benedikt XVI. die letzte Ehre
Deutsche Politiker erweisen Benedikt XVI. die letzte Ehreimago

Tausende haben sich auf den Weg zum Petersdom gemacht. Sie alle wollen Benedikt XVI. die letzte Ehre erweisen. Unter ihnen die Spitze der deutschen Verfassungsorgane. Bundeskanzler Olaf Scholz ist einer von ihnen. Begleitet wird er von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, Bundesministerin Nancy Faeser, Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Bundesratspräsident Peter Tschentscher. 

Der aus Deutschland stammende Papst Benedikt XVI. hatte vor seinem Ableben eines deutlich gemacht: Er wünschte sich eine kleine Trauerfeier. Dieses Aufgebot deutscher Politprominenz hatte er wohl vermeiden wollen. Doch wie es aussieht, möchte die Bundesregierung den „deutschen Papst“ persönlich verabschieden. 

Ein Regierungssprecher bestätigte gegenüber der Berliner Zeitung, dass vier der fünf Spitzen der deutschen Verfassungsorange in einem Flugzeug nach Rom gereist sind. Eine solche gemeinsame Anreise ist selten. Einerseits gibt es kaum Veranstaltungen, bei denen Bundespräsident, Bundestagspräsidentin, Bundesratspräsident, Bundeskanzler und der Präsident des Verfassungsgerichts alle gebraucht würden. Ob die Anwesenheit in diesem Fall geboten ist, bleibt sowieso fraglich. In jedem Falle stellt das gemeinsame Reisen ein Sicherheitsrisiko dar.

Polens Staatspräsident starb bei Flugzeugabsturz

Denn auch wenn Flugzeuge als besonders sichere Verkehrsmittel gelten, geschehen Unglücke. Eine solche Katastrophe erlebte Polen vor gut zehn Jahren. Beim Flugzeugabsturz von Smolensk im Jahr 2010 verunglückte ein Regierungsflieger. Der damalige Staatspräsident Polens, Lech Kaczynski, verunglückte tödlich. Auch in diesem Fall befanden sich wichtige Spitzen der Verfassungsorange im gleichen Flugzeug. Abgeordnete des Parlaments, Regierungsmitglieder und ranghohe Offiziere. Mehr als 90 Personen starben.

Was ist wichtiger: Sicherheit oder Klima?

Mit Blick auf die Klimakrise kann man die Entscheidung der Bundesregierung, in einem Flugzeug anzureisen, positiv bewerten. Andererseits stellt diese Entscheidung auch ein erhebliches Risiko dar. Flugzeuge können abstürzen. Auch Regierungsflugzeuge. Markus Söder, der sich ebenfalls in Rom befindet und sich vom „bayerischen Papst“ verabschieden möchte, reiste auf eigene Faust nach Italien.

Ob gerade in diesem Falle Sparmaßnahmen den Ausschlag geben sollten? Welcher Aspekt konkret den Anlass dazu gab, dass die Reise gemeinsam vollzogen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Die Politiker hätten selbstverständlich auch unabhängig voneinander mit Linienmaschinen anreisen können.

Im Flieger zurück nach Deutschland sind sie sogar zu fünft

Nach Angaben des Bundespräsidialamtes wird der Rückflug nicht mehr gemeinsam angetreten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird nur von Nancy Faeser, Peter Tschentscher und Friedrich Merz begleitet. Der Absturz in Polen hat gezeigt, das Risiko steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.