Entschlossenen Blicks steht Björn Höcke unter einem Straßenschild. „Otto-von- Bismarck-Allee“ ist darauf zu lesen. Mit diesem Foto wirbt der 43-jährige auf seiner Facebook-Seite. Der Vorsitzende der Thüringer AfD liebt historische Bezüge. Einmal im Jahr lädt er zum „Fest der Vaterlandsliebe“ an den Kyffhäuser, einen historischen Wallfahrtsort der äußersten Rechten in Deutschland.

Der 43-jährige ist einer der unangefochtenen Stars der „Alternative für Deutschland“, seit Bernd Lucke sie frustriert verlassen hat. Der AfD-Gründer hatte vergeblich versucht, Höcke aus der Partei zu werfen, weil der behauptet hatte, nicht jedes Mitglied der NPD sei als rechtsextrem einzustufen. Frauke Petry, Luckes Nachfolgerin an der Parteispitze, hat das Ausschlussverfahren gestoppt.

Die AfD hat den Verlust ihres einstigen Stars offenbar gut verkraftet und punktet nun noch ein Stück weiter rechts als vorher. Luckes Abspaltung Alfa („Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ dümpelt dagegen, „an der Grenze der Wahrnehmbarkeit“, stellt der Meinungsforscher Manfred Güllner fest.

Nach einer kleinen Delle durch den erbittert ausgetragenen Machtkampf sehen die meisten Umfragen sie stabil über fünf Prozent. In Sachsen, wo Petry zuhause ist, rangiert sie sogar bei 13 Prozent – auf einer Höhe mit der SPD. Statt der Euro-Krise treibt ihr nun das Flüchtlingsproblem die Sympathisanten zu.

Wer da kommt, schert die neuen Verantwortlichen der AfD wenig – Hauptsache: viele. Dass unter den mehreren tausend Demonstranten, die er in Thüringen regelmäßig zu mobilisieren weiß, erkennbar Rechtsradikale sind, kommentierte Höcke im Erfurter Landtag lakonisch: „Wenn ein Pfarrer vor seiner Gemeinde predigt, weiß er auch nicht, ob ein Teufelsanbeter darunter ist“.

„Erfurt ist schön deutsch, und Erfurt soll schön deutsch bleiben“

Etwas weniger gelassen schimpft er allerdings via Facebook, dass die AfD durch die „völlig unausgewogene und verfälschende Berichterstattung in Thüringer Medien in den Dreck gezogen“ werde. Einer seiner umjubelten Lieblingssätze auf den Kundgebungen lautet: „Erfurt ist schön deutsch, und Erfurt soll schön deutsch bleiben.“

Die Bundesvorsitzende dagegen versucht erst gar nicht zu leugnen, wen die Demonstrationen ihrer Partei gegen das „Asylchaos“ der Bundesregierung anziehen. „Dass Extremisten hierbei auftreten, ist nicht akzeptabel“, formuliert Frauke Petry staatentragend, „aber vom Veranstaltungsrecht gedeckt.“

Anders als ihr Vorgänger versucht sie nicht, die Partei zu dominieren, sondern lässt andere zu Wort kommen. Da darf ihr weitgehend unbekannter Co-Vorsitzender Jörg Meuthen markig fordern: „Treten sie zurück, Frau Merkel.“ Der niedersächsische Landeschef Paul Hampel findet, dass noch nie „ein Regierungschef sein Volk so beleidigt“ habe wie Merkel und behauptet: „Es geht um nichts geringeres als das Sein oder Nichtsein unseres Vaterlandes.“

Güllners: Seehofer hat AfD salonfähig gemacht

Doch die starken Sprüche und die Bedenkenlosigkeit bei der Mobilisierung von Anhängern reichen nach Meinung Manfred Güllners nicht aus, um den Erfolg der rund 20.000 Mitglieder zählenden AfD zu erklären. Die Partei habe einen wichtigen Helfer außerhalb der eigenen Reihen, behauptet der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa: Horst Seehofer. Durch seine massiver Kritik an der Bundeskanzlerin habe er die noch radikaleren Anti-Flüchtlingsparolen der AfD erst salonfähig gemacht, sagte Güllner im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Denn der CSU-Chef erliege einem Irrtum, wenn er glaube, konservative Wähler an die Union zu binden. Das Gegenteil sei der Fall. Seehofer treibe die Menschen davon. Denn so „radikal daher reden wie die AfD kann eine seriöse Volkspartei nicht.“