München - Deutsche Parteien sind einem Medienbericht zufolge im Sommer erneut Ziel eines offenbar breitangelegten Hackerangriffs geworden. Sicherheitsexperten der Bundesregierung nähmen den Vorfall sehr ernst und befürchteten, dass eine ausländische Institution Geheimnisse aus dem Politikbetrieb ausspähe, um die Bundestagswahl im kommenden Jahr zu beeinflussen, berichteten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR am Dienstag als Ergebnis ihrer gemeinsamen Recherchen. Der Rechercheverbund berichtet unter Berufung auf ungenannte Regierungsexperten, der Fall deute auf russische Hacker hin. 

Politiker und Mitarbeiter mehrerer Parteien hätten am 15. und 24. August E-Mails, die vermeintlich aus dem Hauptquartier der Nato stammten, erhalten. Darin befand sich dem Bericht zufolge ein Link, über den Spähsoftware auf den betroffenen Rechner gelangen konnte. Anders als bei einem früheren Angriff auf das Parlament seien dieses Mal nicht nur Fraktionen betroffen gewesen, sondern etwa auch die Junge Union, die Bundesgeschäftsstelle der Linken oder die CDU im Saarland, wo im März ein neuer Landtag gewählt wird.

Täter könnten öffentliche Meinung manipulieren wollen

Der Angriff fiel dem Bericht zufolge der Nato und dem Bundesnachrichtendienst auf, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnten. BSI-Präsident Arne Schönbohm habe daraufhin die Fraktionen im Bundestag informiert.

Der Bundestag war schon 2015 Ziel eines Cyberangriffs. Das BSI befürchtet dem Bericht zufolge, dass die Täter die öffentliche Meinung vor der Wahl im Herbst 2017 manipulieren wollen. Sie könnten bei ihren Angriffen vertrauliche Informationen der deutschen Parteien abgreifen und dann kurz vor der Wahl veröffentlichen, um gezielt die öffentliche Stimmung zu beeinflussen. (rtr, dpa)