Karmen - Eine Zweijährige ist am Bahnhof von Kamen am Kopf von einer Glasflasche getroffen und schwer verletzt worden. Der Verursacher ist auch am Samstagmorgen noch unbekannt. „Im Moment gibt es keine Hinweise auf einen etwaigen Werfer der Flasche“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund, Henner Kruse.

Vermutlich flog die Flasche aus einem durchfahrenden Zug. Es werde wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt, so Kruse. Polizisten haben demnach die Personalien der Fahrgäste des Zuges aufgenommen, der in Greven gestoppt wurde. Die rund 500 Fahrgäste wurden dort befragt.  Die Passagiere verhielten sich dabei sehr kooperativ, schildert ein Sprecher der Bundespolizei. 

„Ich habe vollstes Verständnis für die Polizei. Gut, dass sie den Täter finden wollen“, sagt Dieter Nübling (57) der „Bild“-Zeitung vom Samstag. Er war demnach am Freitagmorgen mit seinem Kegelclub in Köln in den zehn Waggons umfassenden Zug eingestiegen. „Ich mache seit 30 Jahren solche Fahrten, aber das habe ich noch nie erlebt. Hoffentlich kriegen sie den“, sagte Norbert Rumbach (59) der „Bild“. Der Zug konnte dem Medienbericht zufolge nach der Überprüfung am Freitagabend Richtung Norden weiterfahren - ohne eine Festnahme. 

Der Vater war mit dem Mädchen auf dem Arm am Freitagmorgen die Treppe zum Gleis hinaufgestiegen. Unvermittelt sei dann nach ersten Erkenntnissen aus dem sogenannten Partyzug aus Köln mit dem Ziel Norderney eine Flasche geflogen. Offen ist noch,  ob die Flasche aus dem Zug gefallen sei oder geworfen wurde.

Es bestehe akute Lebensgefahr für das Mädchen, hieß es am Freitagabend. Nach einer Operation hat sich der Zustand des Kindes aber stabilisiert, teilte die Polizei am Samstagvormittag mit.

Veranstalter unterstützt Ermittlungen

Der Veranstalter Müller-Touristik will die Behörden bei der Aufklärung unterstützen. „Die ermittelnden Behörden haben unsere volle Unterstützung und erhalten von uns alle Informationen, die sie benötigen“, erklärte der Geschäftsführer der Müller-Touristik GmbH & Co. KG in Münster, Bernd Niemeyer, in einer schriftlichen Stellungnahme am Samstag. Das Unternehmen verurteile die Tat zutiefst und wünsche dem Mädchen eine baldige und vollkommene Genesung. 

An Bord des Partyzugs seien verschiedene einzelne Gruppen gewesen. Getränke an Bord würden in weichen Pfandbechern aus biologisch abbaubarem Material ausgegeben. Grundsätzlich sei das Mitbringen von Getränken und Speisen nicht untersagt. „Ein Recht zur Taschenkontrolle haben wir als Reiseveranstalter nicht.“ Einige Fenster könnten - wie auch in alten ICs (Intercity-Zügen) - während der Fahrt zu einem Teil geöffnet werden. (dpa/red)