Pedro Sánchez, Ministerpräsident von Spanien.
Foto: Imago Images/Pacific Press Agency

MadridUm keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es ist nicht das Volk, das hier seine Stimme erhebt. Es ist die spanische Rechte, zu großem Teil die ganz Rechte, die seit einiger Zeit ziemlich viel Lärm macht, auf Kochtöpfe schlägt oder sich mit ein paar Dutzend, manchmal ein paar Hundert Gleichgesinnten trifft und protestiert. Erst in Madrid, jetzt auch in anderen Städten. „¡Libertad!”, rufen sie, und „¡Sánchez dimisión!”. Pedro Sánchez, der spanische Ministerpräsident, möge zurücktreten.

Das ist eigentlich immer so, wenn in Spanien die Linke regiert, dass die Rechte den Untergang des Abendlandes heraufbeschwört. Man möchte mit den Angegriffenen sofort solidarisch sein, egal was sie alles falsch machen. Und Sánchez macht viel falsch.

In fast keinem anderen Land der Welt sind dem Coronavirus, im Verhältnis zur Einwohnerzahl, so viele Menschen erlegen wie in Spanien. Das liegt unter anderem daran, dass die spanische Regierung die Gefahr bis Anfang März nicht nur nicht ernst nahm, sondern bewusst kleinredete. Dafür haben weder Sánchez noch irgendeiner seiner Minister bis heute um Entschuldigung gebeten.

Zum Zweiten glaubte Sánchez, er könnte mit einem Schlag die spanische Gesundheitspolitik übernehmen, die seit zwei Jahrzehnten in Händen der 17 Regionalregierungen liegt. Das ging schief, und alles was schief ging – fehlende Masken, fehlende Tests, unterversorgte Altenheime –, lasten die meisten Spanier der Sánchez-Regierung und nicht ihren Regionalregierungen an. Was zum Dritten auch an einer völlig irren Kommunikationspolitik liegt, mit täglichen, direkt übertragenen Presseauftritten der Minister und einem wöchentlichen Auftritt des Regierungschefs, bei dem Sánchez so ausschweifend wie ausweichend auf Fragen von Journalisten antwortet.

60 Prozent der Spanier haben im Moment kein Vertrauen in ihre Regierung. Die rechte Opposition macht derweil so viel Krawall, dass sie sich nur selbst diskreditiert. Vielleicht hat Sánchez doch noch eine politische Zukunft.