Dresden - Leipzig ist sie erst mal los: Anfang der Woche hat Legida kapituliert. „Wir werden uns hier auf der Straße zukünftig zurücknehmen“, verkündete Arndt Hohnstädter, einer der Anführer des fremdenfeindlichen Bündnisses in der sächsischen Messestadt. Seine Begründung: Angesichts der Sicherheitslage in Deutschland könne Legida mit seinen Kundgebungen keinen Anspruch auf Polizeischutz erheben. Polizisten bräuchten auch einmal Feierabend.

Klingt nett, doch tatsächlich ist Legida schlicht und einfach am Ende. Gerade noch 400 Leute brachten die Abendlandsretter diese Woche auf die Beine, 1700 protestierten dagegen. Legida war in Leipzig von Anfang an chancenlos. Die breite Ablehnung durch die Leipziger hat den von Hooligans und Neonazis dominierten kleinen Bruder von Pegida-Dresden zermürbt. Zukünftig will sich Legida mehr im Internet umtun und Kabarettabende veranstalten. Jürgen Kasek, Landeschef der Grünen: „Durch kontinuierlichen Gegenprotest haben die irgendwann einfach die Lust verloren.“

Ableger in stupender Hartnäckigkeit

Gehen den Wutbürgern Luft und Lust aus? Wird Zorn auf die Dauer langweilig? Die Wutbürger-Bewegung schwächelt, nicht nur in Leipzig. Es gibt sie noch, auch in Berlin, aber die Zahl der Demonstranten ist überschaubar. In der Hauptstadt sammelt sich noch jeden Montagabend der Ableger in stupender Hartnäckigkeit, organisiert vom offenbar nimmermüden Deutschnationalen Karl Schmitt: Immerhin schon um 107. Mal ruft „Bärgida“ zum sogenannten Abendspaziergang auf am Montag. Treffpunkt ist der Washingtonplatz am Hauptbahnhof. Vor zwei Jahren waren es 400, weit entfernt von den Tausenden von Protestierern in Dresden. Jetzt sind es noch rund 100, manchmal auch 150 Menschen. In den Reden geht es um die vermeintliche Abschaffung des deutschen Volkes, angebliche Islamisierung, um sogenannte Deutschlandverräter.

Auch in der rechten Szene bekanntere Akteure, wie „Pro-Deutschland“-Chef Manfred Rouhs oder Berlins NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke, begeben sich gelegentlich ans Mikro. Dorthin kommen aus der AfD gelegentlich Aktivisten, etwa der Lichtenberger Bezirksparlamentarier Heribert Eisenhardt. Der Termin scheint für die meisten Teilnehmer aber eher eine soziale Funktion zu haben.

Die Zornigen schwächeln

Auch in Dresden schwächelt Pegida, die Mutter aller fremdenfeindlichen Hassbewegungen. Das Bündnis, im Herbst 2014 gegründet und an manchen Montagen mit 10.000 und mehr Anhängern auf der Straße, bekommt seit Monaten gerade noch 1500 bis 2500 Sympathisanten zusammen. Das ist nicht wenig, aber deutlich weniger als vor einem Jahr. Beim letzten Mal Anfang Januar fanden sich in allerletzter Minute die nötigen Ordner, sonst hätte Pegida sein Treffen absagen müssen. Und nächsten Montag fällt das Treffen ganz aus, weil man nach Thüringen fahren will, wo AfD-Mann Björn Höcke auftritt. Den findet Pegida gut.

Seit Monaten ist in Dresden, wie in Berlin nur noch der harte Kern unterwegs. Für das Schwächeln der Zornigen gibt es verschiedene Gründe: Den Rednern sind die Themen ausgegangen. Es ist langweilig geworden, jedes Schimpfwort gegen Merkel ist ausprobiert, "Volksverräter" schon Unwort des Jahres.

Das Ganze, so hat es einmal der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer beschrieben, sei längst ein „Ritual“: Wütende Herrschaften aus dem Dresdner Umland treffen sich, bei gutem Wetter mehr, bei schlechtem weniger. Man schimpft und trinkt Bier, man freut sich, nicht allein zu sein, man bestärkt sich in seiner Weltsicht und fährt wieder nach Hause.