Per Funk die Wärme steuern

Ein starker Anstieg der Heizkosten bedroht viele Mieter in Berlin. Elektronische Thermostate und Heizkostenverteiler bieten Kontrollmöglichkeiten.

Elektronische Heizungsthermostat wird mit dem Handy eingestellt Energiekriese
Elektronische Heizungsthermostat wird mit dem Handy eingestellt EnergiekrieseIMAGO/Kosecki

Heizkosten zu sparen, ist in diesem Winter unumgänglich. Die Möglichkeiten von Mietern sind jedoch begrenzt, denn sie können weder wählen mit welchem Energieträger geheizt wird noch wie das Haus isoliert ist. Nach Angaben des Teams Energieberatung der Verbraucherzentrale Bund haben sich die Energiekosten für Privathaushalte in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt. Sie seien zur „zweiten Miete“ geworden. Dennoch gibt es Möglichkeiten zum Sparen.

Den Verbrauch kontrollieren: Um die Kosten für Heizung gezielt zu steuern, ist es sinnvoll, sich über den eigenen Verbrauch klar zu werden. Einen Überblick bietet der Vergleich mit Durchschnitts- und Bestwerten beim Heizungsverbrauch. Der Heizspiegel ist eine gute Adresse im Internet (www.heizspiegel.de). Er wird einmal jährlich von der gemeinnützigen Gesellschaft CO2online gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund erstellt.

Elektronische Heizkostenverteiler: Die Heizungen vieler Mieter wurden inzwischen auf elektronische Heizkostenverteiler umgerüstet, denn die alten Heizungsverteiler sind ungenau. „Es ist sinnvoll, diese zwischendurch abzulesen und den Verbrauch zu notieren“, sagt Joshua Jahn von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Um den Überblick über die Zählerstände nicht zu verlieren, können sie ins kostenlose Energiesparkonto (www.energiesparkonto.de) von CO2online übertragen werden. Über die EnergieCheck-App ist das auch mobil möglich.

Bedienungsanleitung für Verteiler im Internet

Wie der jeweilige Heizkostenverteiler funktioniert, lässt sich über die Bedienungsanleitung des Verteilers ermitteln. Diese gibt es meist im Internet. Einige dieser Verteiler zeigen den Verbrauch direkt in Kilowattstunden (kWh) an. „Andere zeigen nur den Messwert an, aus dem sich später der Verbrauch errechnet“, sagt Alexander Steinfeldt von CO2online. Die Zahlen, die sich ablesen lassen, zeigen beispielsweise die Zählernummer, den Verbrauch im letzten Jahr und den aktuellen Verbrauch.

„Durch das Ablesen der verbrauchten Nutzenergie an den Heizkörpern können Sie als Mieter aber nur bedingt abschätzen, wie hoch Ihre nächste Heizkostenabrechnung sein wird“, schränkt Steinfeldt ein. Er weist jedoch darauf hin, dass Gas- und Wärmeanbieter bzw. Vermieter dieses Jahr laut einer Verordnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz verpflichtet sind, Mieter bis spätestens 31. Dezember 2022 über Energieverbrauch und Energiekosten der letzten Abrechnungsperiode sowie über die voraussichtlich zu zahlenden Energiekosten zu informieren.

Temperatur drosseln: „Wenn Sie in einem Raum die Temperatur von 24 Grad Celsius auf 20 Grad Celsius senken, können Sie die Heizkosten um fast ein Viertel herabsetzen“, sagt Jahn. Jedes Grad weniger spart etwa sechs Prozent Kosten. Insgesamt sieht er bei den Heizkosten das größte Sparpotenzial. „Heizenergie macht im Haushalt rund 70 Prozent des Energieverbrauchs aus“, sagt er.

Moderne elektronische Thermostate ermöglichen es, die Temperatur aus der Ferne zu regeln oder Heizphasen per Computer zu steuern. So kann die Heizung programmiert werden, zum Beispiel von 8 bis 18 Uhr eine bestimmte Temperatur im Homeoffice zu liefern und danach runterzufahren. „Das macht Sinn, wenn man einen geregelten Tagesablauf hat“, sagt Jahn. Er warnt aber davor, die Temperatur in einzelnen Räumen unter 16 Grad zu senken. „Dann droht Schimmelgefahr.“

Stiftung Warentest rät davon ab, die Heizung im Winter komplett abzustellen. „Bei Frost könnten Heizkörper oder Rohre undicht werden. Böse Wasserschäden können die Folge sein“, sagt Experte Reiner Metzger. Er empfiehlt folgende Temperaturen: im Wohn­raum 20 Grad, in der Küche 18 bis 20, im Bad 23 Grad, im Schlaf­zimmer 16 bis 18.

Thermostate selber installieren

Übrigens: Elektronische Thermostate können Mieter selber installieren. „Es gibt sie in verschiedenen Modellen. Die günstigsten kosten rund 20 Euro pro Stück“, berichtet Jahn. Funkmodelle, die über eine App gesteuert werden können, werden für über 300 Euro verkauft. Bluetooth-Modelle sind günstiger.

Heizung optimal nutzen: Offene Türen sind Gift für warme Räume. „Die Türen sollten, soweit es möglich ist, geschlossen gehalten werden“, sagt Jahn. Gegen den Luftzug unter der Türritze empfiehlt er für den Anfang ein Handtuch. In Baumärkten gibt es Stopper, die vor die Tür gelegt werden können. Ein weiterer Fehler: Die Heizung kann die Wärme nicht in den Raum abstrahlen, weil die Heizkörper verstellt sind. „Heizkörper sollten vom Raum aus zu sehen sein“, sagt Jahn. Zugige Fenster sind ebenfalls eine Quelle für kalte Räume. Kunststoffdämmungen gibt es ebenfalls im Baumarkt.

Luft ablassen: Luft in der Heizung führt dazu, dass diese nicht gut arbeitet. „Wenn die Heizung gluckert, sollte man entlüften“, sagt Jahn. Mit einem Vierkantschlüssel lassen sich die Heizkörper öffnen, eine kleine Schale unter die Öffnung halten, falls Wasser entweicht. „Wenn man Probleme mit gluckernden Heizkörpern hat und regelmäßig entlüftet, kann man bis zu 60 Euro sparen“, sagt Jahn. Kommt es häufig zu Luftansammlungen in der Heizung, sollte die Hausverwaltung benachrichtigt werden.

Richtig lüften: Das Lüften soll nicht dazu führen, dass Räume auskühlen. „Querlüftung oder Stoßlüftung mit weit geöffnetem Fenster“, empfiehlt Nicola Buskotte, Sprecherin von Stromspar-Check, einer Beratungsginitiative für Bürgerinnen und Bürger mit geringem Einkommen, die Büros in vielen Städten hat, auch in Berlin (s.schoss@caritas-berlin.de). Mit Querlüftung ist gemeint, einander gegenüberliegende Türen und Fenster zu öffnen. Beim Stoßlüften sollen die Fenster weit aufgerissen werden. „Hier reichen drei- bis viermal täglich fünf bis zehn Minuten aus“ sagt sie. Bei der Kipplüftung dauere es mehrere Stunden, um die verbrauchte Luft auszutauschen.

Während des kurzen, aber kräftigen Lüftens sollten die Thermostatventile der Heizkörper heruntergeregelt werden. „Ansonsten entweicht ein Großteil der aufsteigenden Warmluft ungenutzt nach außen, im Gegenzug fällt die einströmende Kaltluft direkt auf die Thermostatventile – die dann umso stärker öffnen, was den Wärmeverlust noch erhöht“, sagt Buskotte.