Pete Buttigieg.
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BerlinPete Buttigieg ist aus dem Wettrennen der Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur ausgestiegen. In South Carolina hat er zwar immer noch achtbare, aber eben bei Weitem nicht ausreichende 8,3 Prozent erhalten. Aber ausgestiegen ist er auch noch ohne jede peinliche Verbeugung gegenüber irgendwem, und genau in dem Moment, als seine Stimme noch Bedeutung hatte. Was für ein Gefühl für politischen Rhythmus. Er ist genauso bemerkenswert wie der rasante Aufstieg des kaum 38-jährigen Ex-Bürgermeisters von South Bent/Indiana, dessen Name über Monate nur mit Aussprachevorgaben publiziert wurde.

Es war von vorneherein ziemlich klar, dass er trotz aller seiner Meriten – brillantes Studium, Militärdienst, überwältigende Mehrheit bei der Wiederwahl als Bürgermeister – dieses Mal noch keine Mehrheit gewinnen würde. Nicht nur, wie es viele Medien ziemlich rassistisch getönt suggerierten, bei Latinos und Schwarzen, sondern auch bei vielen Weißen aus den Großstädten sind die Vorbehalte gegen einen Schwulen groß, der zudem mit einem Mann verheiratet ist. Und gerade Großstädter der West- und Ostküste verachten chronisch die Kleinstädter und Landbewohner aus dem mittleren Westen.

Politik ist auch eine Kunst

Schwer ist es derzeit zudem für alle Politiker, die sich wie Buttigieg, Klobutchar oder nun vor allem Joe Biden als „Moderate“ der absurden Polarisierung des politischen Lebens entgegen stemmen, die wenigstens versuchen, eine Brücke zwischen Trump-Wählern und Sanders-Enthusiasten zu bauen. Schließlich war da noch der Generationensprung – Buttigieg konkurrierte mit Urgesteinen der amerikanischen Politik, die noch zu Zeiten John F. Kennedys sozialisiert wurden.

Das amerikanische System der Vorwahlen mit seinem kaum zu bewältigenden Zeittakt, der Dauer-Inszenierung von Volksnähe und brutalen Intrigen verschleißt Politiker en Masse. Von einem Großteil der auf diesem Weg untergegangenen Politiker hört man nie wieder etwas. Aber Politik ist eben nicht nur ein Handwerk, sondern auch eine Kunst. Pete Buttigieg beherrscht sie nach allem, was über ihn zu lesen und von ihm zu sehen ist.

Es sei die Vorhersage gewagt: Von ihm werden wir noch viel hören und sehen. Das war nämlich auch seine Strategie, als er zum ersten Mal in seiner Heimatstadt South Bent bewarb um das Bürgermeisteramt: Erst mal den Wählern bekannt machen, dann nach und nach überzeugen, dass auch ein Schwuler in der Lage ist, für die Gemeinschaft zu arbeiten – um dann den Sieg einzufahren. Joe Biden übrigens unternimmt gerade den dritten Anlauf auf das Weiße Haus.