Peter Hintze: Politische Prominenz beim Trauergottesdienst

Berlin - Sie waren alle da: Vizekanzler Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier sowie größere Teile des Kabinetts; Bundestagspräsident Norbert Lammert und die Fraktionsvorsitzenden von Union, SPD und Grünen, Volker Kauder, Thomas Oppermann, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter mitsamt zahlloser Abgeordneter; Ex-Bundespräsident Christian Wulff, dem der Tote in politischer Bedrängnis beigestanden hatte, und der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière.

Nicht zu vergessen Kanzlerin Angela Merkel und das amtierende Staatsoberhaupt Joachim Gauck, das als Letzter den wuchtigen Berliner Dom betrat und ein paar Augenblicke auf das mannshohe Porträt des Toten im Altarraum blickte – als könne er es nicht fassen.

Peter Hintze erlag Krebserkrankung

In der Nacht auf den Ersten Advent ist Peter Hintze gestorben, mit nur 66 Jahren. Der einstige CDU-Generalsekretär, Parlamentarische Staatssekretär und Bundestagsvizepräsident erlag in Köln einer jahrelangen Krebserkrankung. Am Donnerstagmorgen nun fand im Berliner Dom der Trauergottesdienst statt. Er war nicht allein aufgrund der Prominenz der Teilnehmer, die Hintzes Rang markierte, beeindruckend.

Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, sagte, der Tod Hintzes, der früher selbst Pfarrer war, sei trotz der bekannten Krankheit überraschend gekommen. Und er fügte angesichts von dessen noch jungem Alter hinzu: „Der Tod ist nicht fair.“ Allerdings hätten Hintze auch politische Freunde beim Sterben begleitet, so Schneider. „Gott sei Dank.“ Dieser jedenfalls werde fehlen – nicht zuletzt wegen seiner Gradlinigkeit, seines Humors, seiner Warmherzigkeit. Und er gehe „sterbend dem zukünftigen Advent Gottes entgegen“.

Nach Schneider sprach Kauder – wie immer ohne Manuskript, präzise und pointiert. Hintze sei „ein außergewöhnlicher Mensch und ein leidenschaftlicher Politiker“ gewesen, sagte der Christdemokrat. Im Übrigen habe er es aufgrund seiner christlichen Grundhaltung stets vermieden, andere zu verletzen – habe in der Sache aber durchweg klar argumentiert und eine Diskussion mal mit den Worten beendet: „Ein guter Theologe nimmt es mit jedem Juristen auf.“

Der Jurist war Kauder. Daraus sprach das Selbstbewusstsein eines Mannes, der um so viel klüger war, als seine Zeit als CDU-Generalsekretär vermuten ließ und der nach Meinung nicht weniger erst spät zu seiner Bestimmung gefunden hat, nämlich ein besonders in medizinisch-ethischen Fragen engagierter Parlamentarier im Hintergrund zu sein – mit besten Verbindungen in nahezu alle Richtungen.

Gottesdienst für Hintze gleicht Staatsakt

Zwischen den Trauerreden intonierte ein Chor Lieder von Johann Sebastian Bach. Die Fürbitten sprachen die Bundestagsvizepräsidenten Edelgard Bulmahn (SPD), Johannes Singhammer (CSU), Petra Pau (Linke) und Claudia Roth (Grüne) – Hintzes bisherige Kollegen.

Obwohl er nicht als solcher deklariert war, glich der Trauergottesdienst einem Staatsakt. Einer, der Peter Hintze gut kannte, sagte: „Ich glaube, das hätte ihm gefallen.“