Ein unerwarteter Kanzlerkandidat, ein neuer Bundespräsident, steigende Umfragewerte, gute Stimmung – für die SPD läuft es gut derzeit.

Die CDU - mit Kanzlerin Angela Merkel war eigentlich in der besseren Ausgangslage – reagierte konsterniert. CDU-Generalsekretär Peter Tauber erklärt, wie er wieder Schwung in seine Partei bekommen will.

Er ist zuständig für die Wahlkampforganisation. Sieben Monate sind es noch bis zur Bundestagswahl. Und davor wird noch im Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gewählt.

Herr Tauber, warum hat sich die CDU von einem neuen SPD-Kanzlerkandidaten so verschrecken lassen?

Ich finde nicht, dass wir verschreckt sind.

Nach außen ist der Eindruck: Schockstarre. Und von der Parteibasis kommt die Klage: Wir wissen nicht, wie wir reagieren sollen.

Wir sind für vier Jahre gewählt. Die Bürger erwarten zu Recht, dass wir noch bis zum Sommer unsere Arbeit ordentlich machen, und nicht jetzt schon volle Kanne auf Wahlkampf umschalten.

Ich finde es bemerkenswert, wie sehr die SPD unter Sigmar Gabriel gelitten haben muss, dass sie jetzt in diesen Rausch verfällt. Da wird aber ein Kater folgen – sobald wir in die inhaltliche Debatte kommen.

Noch duckt sich der Kandidat Schulz ja weg, wenn beispielsweise SPD-Ministerin Hendricks die Bauern beleidigt oder die SPD-Linke das Ende der Nato will.

Ein bisschen Rausch täte der Union vielleicht auch ganz gut. Die Vorsitzenden von CDU und CSU, Angela Merkel und Horst Seehofer, haben zuletzt auf ihrem Versöhnungsgipfel in München eher die totale Lustlosigkeit vermittelt.

Wir sollten den Leuten nichts vormachen. CDU und CSU haben lange miteinander gerungen. Dann von einem Tag auf den anderen umzuschalten und so zu tun, als hätte es diese Vorgeschichte nicht gegeben, wäre nicht ehrlich.

Wir haben nun die Reihen geschlossen und kämpfen gemeinsam als Union. Außerdem finde ich, es steht uns gut an, angesichts der großen Herausforderungen auch etwas Demut zu zeigen. Politik ist ein ernstes Geschäft.

Der Auftritt in München war also so goldrichtig?

Er war angemessen. Wir haben dort ausführlich über die großen Fragen der Zukunft diskutiert und abends lange zusammengesessen. Das tut man ja nicht, wenn man nicht gerne beisammen ist.

Bestimmt sehr gerne, wenn der eine den anderen noch vor einem Jahr als Verantwortlichen für Staatsversagen kritisiert hat. Sehr glaubwürdig ist so eine Wiedervereinigung da nicht.

Wir haben viele Anfragen aus Bayern nach Wahlkampfauftritten von Angela Merkel vorliegen. Die politische Linke sollte sich nicht täuschen: Eine zerstrittene Union gibt es nicht mehr.

Ach nein? Trägt die CDU mittlerweile die CDU-Forderung nach einer weiteren Erhöhung der Mütterrente mit? War ja ein Wahlkampfschlager beim letzten Mal.

Das stimmt. Ob es dieses Mal wieder einer würde, daran habe ich meine Zweifel.

Warum?

Es war richtig, bei der Mütterrente etwas zu machen. Meine Mutter hat sich auch gefreut. Aber um die wirtschaftliche Stärke Deutschlands für die nächsten Jahrzehnte zu sichern, sind andere Dinge wichtig: Investitionen beispielsweise in Bildung, Forschung und Digitalisierung.