Berlin - Katastrophal. Unterirdisch. Nicht hilfreich. So reden sie gerade in der CDU. Nicht über einen politischen Gegner, sondern über den eigenen Generalsekretär Peter Tauber. Über den also, der in diesem Jahr den Bundestagswahlkampf organisiert.
Der Grund: Tauber hat mit derben Worten FDP-Chef Christian Lindner kritisiert und ihm AfD-Rhetorik vorgeworfen.

„Er redet teilweise wie Herr Gauland von der AfD. Der einzige Unterschied besteht darin, dass er statt eines abgewetzten Tweed-Sakkos einen überteuerten Maßanzug trägt“, sagte der CDU-Mann der Bild am Sonntag. Selbstherrlich trete Lindner auf. „Ich bezweifle, dass es Herr Lindner mit seinem jetzigen Stil in den Bundestag schafft.“

Zunächst empörten sich FDP und SPD, und dort interessanterweise die, die selbst gerne verbal zulangen. FDP-Vize Wolfgang Kubicki erklärte: „Mit seinen unverschämten Äußerungen hat sich Herr Tauber als ernstzunehmender Gesprächspartner endgültig disqualifiziert.“ Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises der SPD, Johannes Kahrs, warf sich auf Twitter schützend vor den FDP-Chef: „Ist Tauber besoffen?“ fragte er auf Twitter. Der Vergleich Lindners mit Gauland sei peinlich und ein Rücktrittsgrund.

Lindners Merkel-Kritik stößt Tauber besonders auf

In der CDU übernahm Fraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer die Verteidigung. Man müsse die Antwort Taubers genau lesen, erklärte er auf Twitter. Es handele sich keineswegs um eine Gleichstellung von AfD und FDP. Tauber reagierte über mehrere soziale Netzwerke mit Schulterzucken: Die Aufregung sei künstlich. Was Lindner zuweilen sage, klinge eben „manchmal nicht sonderlich liberal, sondern als ob es aus einer anderen Ecke kommt“. Besonders aufgestoßen ist Tauber offenbar Lindners Äußerung in einem Interview Ende des Jahres, wonach die Koalition so viel Schaden angerichtet habe wie selten eine Regierung zuvor. Wiederholt hat Lindner Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrer Regierung unter anderem Versagen in der Flüchtlingspolitik und „Wohlstandshalluzination“ vorgeworfen, zuletzt auf dem Dreikönigstreffen seiner Partei.

Das Entsetzen allerdings ist vor allem bei den Landtagswahlkämpfern der CDU groß. Die offiziellen Distanzierungen waren noch vergleichsweise gemäßigt: Der schleswig-holsteinische CDU- Spitzenkandidat Daniel Günther bezeichnete Taubers Äußerungen als „nicht hilfreich“. NRW-Spitzenkandidat Armin Laschet, versicherte: „Die FDP ist und bleibt unser Wunschpartner, in Düsseldorf und in Berlin, Lindner spitze zwar zu, rede aber „gerade nicht wie Gauland“.

„Er ist kein Rechter“

Intern waren die Worte noch deutlicher: „Katastrophal“, urteilt ein führender NRW-CDU-Politiker. Lindner spitze zwar manchmal zu, aber: „Er ist kein Rechter.“ Es entstehe der Eindruck, dass die CDU alle zu Rechten erkläre, die nicht ihrer Meinung seien. „Nicht zu erklären“, sagt ein anderer CDU-Spitzenmann. „So geht man nicht miteinander um.“

Der, um den es ging, gab sich leicht mokant, aber versöhnlich. Taubers Äußerung zeige aber, wie nervös die Union sei, sagte Lindner. „Wenn man Frau Merkel kritisiert, gehört man für die CDU in die AfD-Ecke“, sagte Lindner. Es sei aber weiter so, dass man mit der CDU „gut und freundschaftlich“ zusammenarbeite.

Die CDU trifft sich am Freitag zu einer Klausurtagung im Saarland und will dort eigentlich nicht über Tauber und Lindner diskutieren. Es sei besser, wenn Tauber die Sache nun auf sich beruhen lasse, hieß es in der Partei.