Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor. Derzeit sind es oft Leiharbeiter, die sich um die Patienten kümmern.
Foto: dpa/Christoph Schmidt

BerlinMiserable Arbeitsbedingungen, wenig Lohn, Überstunden, Schichtdienst und immer mehr Arbeit, weil es einfach zu wenig Personal gibt: Der Beruf des Alten- und Krankenpflegers ist nicht sonderlich attraktiv. Kaum eine Kraft kann dem eigenen Anspruch genügen – unverschuldet, weil die Arbeit am Patienten auf Kante genäht ist.

Wem soll man es verübeln, dass viele Pflegefachkräfte lieber in Leiharbeitsfirmen wechseln, weil die Bedingungen sich dadurch deutlich bessern? Dort finden sie vor allem eins: Verlässlichkeit. Das zeigt abermals, wie kaputt das System ist. Denn natürlich geht so eine Anstellung nicht nur zu Lasten der Festangestellten, sondern auch zu Lasten der Kranken und der schönen Seite des Berufs – mit Menschen ein vertrautes Patienten-Pflege-Verhältnis aufzubauen.

Der Gedanke stimmt, die Umsetzung nicht

Eine Bundesratsinitiative zu starten, die Leiharbeit auf diesem Sektor verbietet, mag den richtigen Gedanken verfolgen. Mehr als ein Herumdoktern an den Symptomen ist es aber kaum. Berlin hat das Problem des Fachkräftemangels ja erkannt und setzt hier auf Ausbildungs- und Rekrutierungsmaßnahmen, um dem Mangel entgegenzuwirken: Im Haushalt ist eine Pflegeoffensive vorgesehen, die Investitionskosten für Pflegeschulen wurden verdoppelt, der Berliner Pakt soll bessere Bedingungen schaffen.

Statt mit Verboten gegenzusteuern, sollten diese Maßnahmen intensiviert werden, damit die Leiharbeit schnellstmöglich unattraktiver als die Festanstellung wird. Denn offenbar ist sie es nicht. Ändert sich das, braucht es keine Verbote. Im schlimmsten Fall verliert man auf diesem Weg sonst genau die, die man dringend braucht.