Vielleicht ist es dieser Abschied, der sie am besten charakterisiert. Bis zum Frühsommer war Anke Domscheit-Berg Mitglied der Berliner Grünen. Dann trat sie den Piraten bei – und war ein paar Wochen lang Mitglied beider Parteien. Sie habe es emotional nicht fertiggebracht, sofort bei den Grünen zu kündigen, sagt die 44-Jährige.

Nun aber ist sie ganz bei den Piraten angekommen und will für sie, als Spitzenkandidatin auf der Landesliste Brandenburg, 2013 in den Bundestag. An diesem Wochenende tagt in Strausberg der Nominierungsparteitag.

Der Wechsel ist eine Konstante im Leben dieser Frau, die sich in kein Schema einfügt. Sie ist Unternehmerin – und nennt sich „Feministin mit grünen Überzeugungen“. Zuvor arbeitete sie jahrelang für McKinsey und Microsoft – bis sie ausstieg, um mehr Zeit für ihre Leidenschaften und Hobbys zu haben, wie sie in ihrer Piraten-Bewerbung schreibt. Sie war als Ökonomin erfolgreich – und engagiert sich für kommunale Basisarbeit in Indien.

Eine Erklärung mag in Herkunft und Jahrgang von Anke Domscheit liegen. In Premnitz geboren, einer Kleinstadt westlich von Berlin, war sie beim Mauerfall 21 Jahre alt und Studentin der Textilkunst. Wie viele Ostdeutsche ihrer Generation nutzte sie die Wende zum persönlichen Wandel. „Wenn die Mauer fallen konnte, dann geht auch alles andere“, fand sie. Sie jobbte, studierte erneut und wurde internationale Betriebswirtin, die drei Fremdsprachen beherrscht.

Vor eineinhalb Jahren, bald nach der Heirat mit dem einstigen Wikileaks-Sprecher Daniel Berg, folgte die nächste Wendung. Sie gab ihre feste Stelle auf und stürzte sich in die Selbständigkeit. Die Transparenz öffentlicher Verwaltung ist eines ihrer Themen als Unternehmerin, ebenso der Aufstieg von Frauen in Führungspositionen. Bei den Piraten, bisher von Männern dominiert, ist da viel Spielraum. Ihre Themen will sie mitnehmen in den Bundestag und sich noch um ein „Internet der Energie“ kümmern. Ein Fachgebiet, so viel ist klar, wird ihr nicht reichen.

Bei den chefophoben Piraten stößt solche Quirligkeit und Flexibilität auf Skepsis; Anke Domscheit-Berg wird um ihren Platz kämpfen müssen. Mit der jungen Partei verbindet sie die „Hoffnung, den Politikbetrieb umzukrempeln“. Die Grünen, die ähnlich begannen, sind ihr dafür zu angepasst.