Halle (Saale) - Keine offene Schlammschlacht, dafür verbaler Krieg auf allen Twitter-Kanälen: Die „Hölle von Halle“, scherzten dem schwarzen Humor zugetane Piraten am Wochenende in den sozialen Medien über ihren Parteitag, auf dem die nach Wahlniederlagen und Flügelkämpfen völlig abgestürzte Truppe wieder einmal einen Weg aus der Dauerkrise suchte. Der neue Piraten-Kapitän Stefan Körner will die Online-Aktivisten in seiner Partei nun erst einmal zu „mehr Miteinander“ verpflichten - und zwar in der realen Welt: „Twitter ist kein Kommunikationsmedium, bei dem man irgendetwas ausmachen kann, außer sich zum Kaffee zu treffen.“

Angespannte Stimmung

Die Stimmung in der dunklen Messehalle in einem Hallenser Vorort ist spürbar angespannt: Rund eintausend Piraten sind angereist, die meisten in der Hoffnung, die Streits der vergangenen Monate zu beruhigen. Der scheidende Vorstand um Parteichef Thorsten Wirth, der nach kurzer Amtszeit an den Flügelstreits um eine linke oder eher sozialliberale Ausrichtung zerbrach, hat sogar Mediatoren engagiert. Sie sollen zwischen zerstrittenen Gruppen vermitteln.

Die Lage der einst als Verfechter von Transparenz und einem freien Internet gefeierten Piraten ist desolat. Nach dem Scheitern bei der Bundestagswahl zogen sie ins Europaparlament mit 1,4 Prozent nur ein, weil es keine Prozenthürde gab. In Meinungsumfragen rangieren die Piraten inzwischen als Splitterpartei, die Arbeit ihrer etwa 400 Mandatsträger in Ländern und Kommunen wird kaum wahrgenommen.

Außer dem fast obligatorischen Bällebad und einem akkreditierten Plüschpony ist deshalb in Halle nur wenig übrig von dem unbekümmerten Auftreten der flippigen Partei, die vor zwei Jahren noch zweistellige Wahlergebnisse in manchen Bundesländern einfuhr.

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