Die frühere politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, kandidiert nicht für den Bundestag. Die 25-Jährige begründete ihre Entscheidung mit ihrem Psychologiestudium in Münster, das sie zunächst fortführen und abschließen wolle.

Viele Piraten reagierten am Freitag ernüchtert auf die Absage ihrer Hoffnungsträgerin. Denn als Liebling der Medien hätte die junge Politikerin der gebeutelten Partei ein bisschen von der dringend benötigten Aufmerksamkeit verschaffen können. Marina Weisband war stets der gelebte Gegenbeweis für den Vorwurf, die Piratenpartei sei eine reine Versammlung von jungen computerfixierten Männern, die sich in Fantasy-Spielen verlieren und mit der wirklichen Welt und wirklichen politischen Themen herzlich wenig anfangen könnten.

Marina Weisband ist unbestritten ein politisches Talent, das ebenso klug ist, wie es zur Selbstdarstellung neigt. Mit ihren abgewogenen, reflektierten Beiträgen war es ihr häufiger gelungen, die stets leidenschaftlichen, nicht immer von Sachkenntnis getrübten Debatten innerhalb der Partei konstruktiv zu begleiten.

Gleichzeitig eckte sie mit ihrem Hang zur Selbstinszenierung in einer Partei an, die weiterhin „Themen statt Köpfe“ propagiert.

Auftritt im Hochzeitskleid

Beim Bundesparteitag im Frühjahr in Neumünster trat Weisband in ihrem Hochzeitskleid auf, was dafür sorgte, dass sie stets von einer Traube Kameras und Fotografen umringt war.

Nicht wenige nahmen ihr solche Auftritte ziemlich übel. Zuletzt hagelte es heftige Kritik, nachdem sich Weisband im November selbst als mögliche Bundestagskandidatin ins Spiel gebracht hatte. Daraufhin verstummte die sonst so kommunikative junge Frau in der Öffentlichkeit für Wochen.

Der Berliner Fraktionschef Christopher Lauer, selbst ein begnadeter Selbstdarsteller und ein großes politisches Talent, ist kein Freund von Weisband. „Damit wäre das also geklärt“, kommentierte er via Kurznachrichtendienst Twitter den Entschluss seiner Parteikollegin, nicht für den Bundestag zu kandidieren. Im Augenblick scheint es ohnehin fraglich, ob die Piratenpartei im kommenden September bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde überspringen wird. Nach dem Hype des Frühjahrs, auf dessen Höhepunkt die Partei in Umfragen bei 13 Prozent lag, macht sich beim Wähler längst Ernüchterung breit.

In aktuellen Erhebungen liegen die Piraten im Moment bei drei bis vier Prozent. Schlimmer noch, die Partei macht öffentlich fast nur durch Peinlichkeiten und innerparteilichen Streit von sich reden, eigene Positionen: Fehlanzeige. Vom frischen Wind der Anti-Establishment-Partei ist in den vier Landtagen wenig zu spüren.