Berlin - Als sich die Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg im vergangenen Jahr zu einem Skandal ausweitete, fand seine Kabinettskollegin Annette Schavan als eine der wenigen aus der Bundesregierung deutliche Worte: „Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich“, sagte die Wissenschaftsministerin zu dem Betrug Guttenbergs.

Nun steht die als äußerst honorig geltende CDU-Politikerin selber unter dem Verdacht, bei ihrer Doktorarbeit geschummelt zu haben. Das anonyme Internetportal „Schavanplag“ wirft ihr in einer akribisch wirkenden Analyse der Quellenlage ihrer Arbeit über Gewissensbildung an der Uni Düsseldorf auf 56 von 325 Textseiten einen zumindest verschleiernden Umgang mit der Herkunft von Zitaten und Aussagen vor.

Uni Düsseldorf wird unterstützt

Ein Beispiel: „Die Verfasserin verweist in Fußnote 1 lediglich zum Vergleich auf Böckle (1977b) und Stelzenberger (1953). Tatsächlich übernimmt sie aber den gesamten Text sukzessive von Ersterem, ohne dass ein substanzieller eigener Beitrag erkennbar wäre; (…) Teilweise sind die Übernahmen auch wörtlich. Der einleitende Satz beginnt zudem bei Böckle (1977b) bereits auf S. 67, so dass dieser auch durch dessen spätere Referenzierung nicht abgedeckt würde.“ Häufiger findet sich die Anmerkung: „Nach dem Zitat wird ohne Kenntlichmachung weiter übernommen.“

Anders als Guttenberg und andere unter Plagiatsverdacht geratene Politiker reagierte die Ministerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende nicht mit schroffer Abwehr. „Es ist eine anonyme Seite, deshalb ist meine erste Antwort: Wer sich mit meiner Dissertation beschäftigt hat, mit dem bin ich gerne bereit, über diese Dissertation zu sprechen, über das Zustandekommen“, sagte sie. Sie gebe gerne jedem Rechenschaft über die Quellen. „Mit anonymen Vorwürfen kann man schwerlich umgehen.“ Sie werde die Universität Düsseldorf bei der Überprüfung ihrer Dissertation unterstützen, ergänzte ihr Sprecher. Die philosophische Fakultät der Hochschule hatte der Arbeit Schavans 1980 die höchste Note „summa cum laude“ zuerkannt.