Zur Grippe-Impfung rät das RKI ebenfalls.
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BerlinImmerhin – die Kanzlerin konnte sich noch gegen Pneumokokken impfen lassen. Auch wenn Angela Merkel danach in häusliche Quarantäne musste, weil der Arzt Corona-positiv ist, so hat sie durch die Impfung für den schlimmsten Fall einer Covid-19-Erkrankung nun doch einen zusätzlichen Schutz. Merkel, 65 Jahre alt, war einer Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) gefolgt.

Die oberste Infektionsschutz-Behörde hat schon zu Beginn der Corona-Pandemie ebenso wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Pneumokokken-Impfung für Menschen ab 60 Jahren propagiert. Denn bei der Covid-19-Lungenkrankheit besteht die Gefahr einer Doppelinfektion mit den Erregern der Lungenentzündung. Und die endet gerade bei älteren Menschen oft tödlich.

Bundesweiter Lieferengpass

Wegen der rasant gestiegenen Nachfrage gibt es in Deutschland inzwischen aber einen Versorgungsmangel mit Pneumokokken-Impfstoff. Die Ständige Impfkommission des RKI hat ihre Handlungsempfehlungen für Ärzte vergangene Woche bereits angepasst. Es sollen nur noch Personen mit besonders hohem Risiko mit dem Standardimpfstoff für Erwachsene, Pneumovax 23, behandelt werden: Ältere Menschen ab 70 Jahren und Patienten mit Immunschwäche oder mit chronischen Atemwegserkrankungen wie etwa Asthma.

Aber auch wer zu diesen Hochrisiko-Gruppen gehört, muss mittlerweile Glück haben, um noch einen Hausarzt zu finden, der Impfstoff parat hat. Bundesweit besteht ein Lieferengpass. Das Bundesgesundheitsministerium machte den Versorgungsmangel laut Arzneimittelgesetz vor knapp einer Woche im Bundesanzeiger bekannt. Die Impfung der von der Impfkommission empfohlenen Personengruppe sei derzeit nicht flächendeckend sichergestellt, hieß es. Aus einer Auflistung auf der RKI-Internetseite geht hervor, dass erst ab Mai mit der Lieferung neuer Impfstoffe zu rechnen ist.

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Hersteller nicht vorbereitet

„Es wird mit Nachdruck nachproduziert“, sagt eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts, des für Impfstoffe zuständigen Bundesinstituts, auf Nachfrage. Aber die Impfstoff-Produktion sei langwierig und durchlaufe etliche Qualitätskontrollen. Sicherheit müsse auch jetzt vor Schnelligkeit gehen. Die Hersteller seien nicht auf den Anstieg vorbereitet gewesen, weil der Pneumokokken-Impfstoff in der Vergangenheit nicht so nachgefragt war.

Dabei empfiehlt die Impfkommission den Schutz vor Pneumokokken schon seit langem. Auch die Hausärzte waren angehalten, ältere Patienten darüber zu informieren, erklärt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). „Alle, die sich seit Jahren hätten impfen lassen müssen, haben es einfach nicht getan“, sagt die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts.

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Risikopatienten müssen selbst herumtelefonieren

Das Pharmaunternehmen MSD Sharp und Dohme GmbH, Hersteller von Pneumovax 23, erklärte auf Anfrage, man habe allein im ersten Quartal 2020 schon etwa die Hälfte der für das gesamte Jahr geplanten Impfdosen gegen Pneumokokken ausgeliefert. „Das entspricht rund 75 Prozent des Bedarfs des gesamten Vorjahres.“ Man werfe alles Verfügbare auf den Markt, aber es gebe einen Lieferengpass.

Und was können Impfwillige nun tun? Die KBV hat nach eigenen Angaben keinen Überblick darüber, welcher Arzt noch über Impfstoff verfügt. Das werde nicht bundesweit erfasst. Risikopatienten bleibt also nur, selbst herumzutelefonieren und in Praxen und Apotheken nach Pneumokokken-Impfstoff zu fragen. Oder aber bis Mai zu warten.