Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki schreckt nicht vor drastischen Vergleichen zurück: Dieser Tage warnt er die EU davor, einen „Dritten Weltkrieg“ anzuzetteln.

Anlass für den Streit mit Brüssel ist die Drohung der deutschen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Polen wegen der Verletzung des Prinzips der Rechtsstaatlichkeit die Fördergelder zu streichen. Morawiecki sagte der Financial Times am Montag: „Wenn sie (die EU) den Dritten Weltkrieg beginnen, werden wir unsere Rechte mit allen uns zur Verfügung stehenden Waffen verteidigen“. Je später Polen die ihm zustehenden Fördergelder bekomme, „desto größer ist der Beweis für diese diskriminierende Behandlung und die diktat-ähnliche Vorgehensweise der EU-Kommission“. Die EU richte „mit einer Pistole an unserem Kopf“ Forderungen an sein Land. Dies werde Polen nicht akzeptieren. Unterstützung bekam Morawiecki vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, der seinerseits der EU vorwarf, sich in die Wahlen der einzelnen Länder einzumischen. Die EU müsse verstehen, dass die Länder Osteuropas nicht ihre Feinde seien, so Orban.

Der 53-jährige Morawiecki galt eigentlich eher als EU-freundlich, zumindest unter den führenden Köpfen der regierenden PiS-Partei. So plädiert er vor allem für eine Stärkung des „Weimarer Dreiecks“ zwischen Deutschland, Frankreich und Polen. Allerdings vertritt er in der Frage von Nord Stream 2 eine gänzlich andere Position als Berlin: Er fordert den Stopp der Pipeline. Trotzdem will er immer lieber reden als streiten. Morawiecki hat Geschichte und Betriebswirtschaft studiert. Er absolvierte eine Ausbildung im Europarecht und verbrachte einige Zeit bei der Deutschen Bundesbank. Er war einer der Politiker, die den EU-Beitritt verhandelten.

Im Streit mit der EU dürfte Morawiecki jedoch eine harte Nuss für Brüssel sein: Sein Vater war bereits im Widerstand der Solidarnosc, und er selbst wurde als Dissident verfolgt, weil er sich der kommunistischen Partei widersetzte. Mehrfach wurde er wegen seines Engagements für den oppositionellen Klub der Politischen Meinung „Freie und Solidarische“ verhaftet, erlebte staatliche Gewalt und Willkür am eigenen Leib. Seine Vita zeigt, dass er ein Mann von Prinzipien ist und diese auch durchgesetzt sehen will.