Barrierefreie Wohnungen sind in Berlin schwer zu finden.
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BerlinBesondere Bedarfsgruppen“, das ist ein unmögliches Wort. Kühl, bürokratisch, blutleer. Füllen wir das Wort mit Leben: 631.000 Menschen in Berlin haben eine Behinderung. Das sind 18 Prozent! Sie alle fallen in die Kategorie „besondere Bedarfsgruppe“ .

Hätten Sie gedacht, dass es so viele sind? Hinzu gesellen sich in die „besondere Bedarfsgruppe“ Flüchtlinge und Hartz-IV-Beziehende, Studenten oder auch Senioren mit mickriger Rente und Betreuungsbedarf.

Minderheit ist die Mehrheit

Merken Sie was? So „besonders“ ist diese Bedarfsgruppe nicht. Sondern eher die Mehrheit in dieser Stadt, wo viele Menschen schlecht verdienen. Sie sind die breite Masse. Auf jeden Fall eher als der freischaffende Hipster aus Kreuzberg oder die festangestellte Journalistin, die gerade diese Zeilen verfasst.

Doch für wen werden gerade Wohnungen gebaut? Natürlich nicht für die „besondere Bedarfsgruppe“, denn die ist ja besonders und hat vor allem: kein Geld. Bitter ist allerdings, dass nicht nur viel zu wenig für sie gebaut wird, sondern sie auch noch die wenigen Sozialwohnungen verlieren, die es bisher für sie gab: Denn die fallen nach einer gewissen Zeit einfach aus der Bindung und können nach 30 Jahren normal am Markt vermietet werden.

Berliner Politik muss Konsequenzen ziehen

Die Folge: Die Anzahl der staatlich geförderten Wohnungen hat sich in Berlin zwischen 2008 und 2018 fast halbiert. Das ist fatal für diese Stadt. Und muss sich ändern. Die Politik muss daraus Konsequenzen ziehen: die Privaten zum Bauen von günstigen Wohnungen verpflichten, viel stärker als bisher. Und die zeitliche Begrenzung für Sozialwohnungen aufheben. Damit der breiten Masse endlich auch die breite Masse der Wohnungen zur Verfügung steht.