Friedrich Merz beim politischen Aschermittwoch des thüringischen Landesverbandes der CDU.
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ApoldaDarauf muss man erstmal kommen, Friedrich Merz, den neuen Hoffnungsträger vieler Christdemokraten, mit einem Eisverkäufer zu vergleichen. Aber die Thüringer CDU hat Merz zum Politischen Aschermittwoch nach Apolda eingeladen, und da ist ein gewagter Vergleich auch mal erlaubt. Meinte zumindest die Weimarer Landrätin Christiane Schmidt-Rose, die zur Eröffnung der Aschermittwochsause in der Festhalle der Apoldaer Bierbrauerei ein Gleichnis aus der Wirtschaftslehre bemühte. Und das geht so: Zwei Eisverkäufer teilen sich den Strand auf und stellen sich in die Mitte - der eine bedient die Kundschaft von links, der andere die von rechts. Nur den Leuten, die links und rechts außen am Strand liegen, ist der Weg irgendwann zu weit, so dass sie lieber bei den Eisverkäufern kaufen, die sich an ihrem Rand aufgestellt haben.

Mike Mohring, der scheidende Thüringer CDU-Chef, griff das später in seiner Rede auf und wies darauf hin, dass die Mitte eben kein kleiner Punkt sei, sondern viel breiter betrachtet werden müsse. Das habe seine Partei lange Zeit anders gesehen, aber jetzt sei ja Merz da. „Unsere CDU Deutschland braucht einen Neuanfang, und wir setzen auf Dich“, rief Mohring unter dem Jubel der 1300 Parteifreunde dem Kandidaten zu.

Merz streichelt die Seele der Thüringer Parteifreunde

Der vielleicht bald neue Eisverkäufer der Bundes-CDU revanchierte sich und dankte Mohring, der hier in Apolda - wie es Merz ausdrücklich betonte - "auf Zeit" aus der Führung der Landespartei verabschiedet worden sei. Und dann streichelte er erst einmal die Seele der Thüringer Parteifreunde, die schließlich nur ihr Wort gehalten hätten, als sie am 5. Februar den Ministerpräsidenten der Linken nicht wählten.

Vor Merz hatte Mohring eine kämpferische Rede gehalten.
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„Wenn die CDU Thüringen bei der nächsten Wahl dafür bestraft wird, dann ist es eben so“, sagte er. Nicht die CDU sei schuld an dem Debakel bei der Ministerpräsidentenwahl, unterstrich Merz, sondern die Arroganz des Linken-Politikers Bodo Ramelow, der bei der Landtagswahl im vergangenen Oktober abgewählt worden sei und dennoch erneut Regierungschef werden will. „Wo kommen wir denn da hin, wenn ein Wahlverlierer nicht zurücktritt“, rief er. Und dann teilte er aus - ein bisschen Richtung SPD, Grüne und die Medien und so richtig gegen die Linke, die gegen eine offene Gesellschaft, gegen Marktwirtschaft und Demokratie sei, eine Partei eben, die „mit unserem Land nichts am Hut hat“. Und dann noch stärker gegen die AfD, der die CDU „niemals“ die Hand reichen werde. Gleichwohl warb Merz für eine Differenzierung, die er sich auch von seiner Partei wünsche: Es gebe viele Gemeinsamkeiten zwischen der Linken und der AfD, sagte Merz, „aber es gibt auch ganz erhebliche Unterschiede“.

„Kanzler, Kanzler“-Sprechchöre


Nach Thüringen widmete sich Merz dann der Bundes-, Europa- und Weltpolitik und unterstrich damit seinen Führungsanspruch für Partei und Land. Er beschrieb die „tektonischen Verschiebungen der globalen Machtzentren“, schlug den Bogen von der USA über China und dessen Projekt einer neuen Seidenstraße bis nach Russland, ohne dass es keine Stabilität geben könne in Europa. Für Deutschland forderte er neue Politikkonzepte auf den Gebieten Energie, Arbeitsmarkt, Digitalisierung, Rechtsstaat und Generationengerechtigkeit, die nach der nächsten Bundestagswahl angepackt werden müssen. „Die letzten 15, 16 Jahre waren gute Jahre für Deutschland, diesem Land geht es so gut wie nie zuvor, und daran hat auch Angela Merkel großen Anteil“, sagte Merz. Hier und da seien jedoch Korrekturen nötig, dafür brauche man Aufbau und Erneuerung. Unter wessen Führung, daran ließ Merz keinen Zweifel.

Natürlich würden dann Armin Laschet und Jens Spahn, seine Konkurrenten um den Parteivorsitz, „zu meiner Mannschaft gehören, zu meinem Team“, rief er den 1300 begeisterten Zuhörern im Apoldaer Brauereisaal zu, die ihrerseits Merz nach dessen 50-minütiger Rede mit „Kanzler, Kanzler“-Sprechchören feierten.

Mohring erteilt AfD deutliche Absage

Vor Merz hatte Mohring eine kämpferische, für einen Politischen Aschermittwoch aber ziemlich humorlose Rede gehalten. Was jedoch auch nicht verwundert, dürfte den Thüringer Christdemokraten das Lachen in den letzten Wochen doch gründlich vergangen sein. Die Blamage bei der Ministerpräsidentenwahl wollte Mohring, der kommende Woche seinen Vorsitz im Landesverband aufgeben wird, dann aber auch nicht allein auf sich und seinen Fraktionskollegen sitzen lassen. „Wir haben in Thüringen danach gehandelt, was uns die Bundespartei an Beschlusslage vorgegeben hat. Aber was nützen solche Beschlüsse, wenn sie auf eine Lebensrealität treffen, mit der sie nicht vereinbar ist“, sagte er. Es habe wenig mit Demokratie zu tun, wenn man sich nach Wahlen die Hände bindet und lieber auf Neuwahlen setzt. Eine eindeutige Absage erteilte Mohring einer Zusammenarbeit mit der AfD. „Es darf keine Zusammenarbeit mit dieser Partei geben, der größte Gegner der AfD ist die CDU“, rief Mohring, und es klang fast nach einem Vermächtnis an seine Nachfolger an der Parteispitze Thüringens.