Berlin - Martin Schulz ist nicht anwesend bei der CSU, aber irgendwie ist er doch die Hauptfigur. Wie jedes Jahr am Aschermittwoch ist die Passauer Veranstaltungshalle gut gefüllt. Wie jedes Jahr spielt eine Blaskappelle den Bayerischen Defiliermarsch zum Einzug von Parteichef Horst Seehofer. Aber erstmals ist es in diesem Jahr so: Mehr Leute als bei der CSU haben sich bei der SPD im nahen Vilshofen versammelt, wo der SPD-Kanzlerkandidat spricht.

Und weil vor Seehofer zwei Stunden lang eine Handvoll anderer CSU-Leute sprechen, ist Schulz der dominante Name in Passau. „Schulz schwafelt“, lästert der Europaabgeordnete Manfred Weber. Schulz habe ein seltsames Verhältnis zum Begriff Heimat, beschwert sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Der Generalsekretär Andreas Dobrindt hat den Dreiklang gefunden: „Brüssel-Schulz. Berlin-Schulz. Schizo-Schulz.“

Seehofer spottet über Martin Schulz und die bayerische SPD

Dann ist doch mal Seehofer dran, und auch er beginnt mit dem Mann von der Konkurrenz. „Martin, der Schummler“ nennt er ihn und spottet, die bayerische SPD brauche einen „Missionar aus einem Bindestrich-Bundesland“. Den Missionar gibt Seehofer bei der CSU selbst: „Bayern ist ein Paradies“, ruft er. Wirtschaftsleistung und niedrige Arbeitslosenquote nennt er, aber auch die Meisterschaften in Fußball, Basketball und Eishockey und die Zugspitze als höchsten Berg der Republik.

Irgendwie alles CSU, so scheint es. Zumindest wohl gefühlt für Seehofer, die Parteispitze spricht ja auch von „gefühlt 10.000“ Menschen im Saal mit einer Fassungskapazität von 4000. Auf diese Weise übertrumpft man die SPD dann doch.

Seehofer spricht über die Wahlkampfagenda – „Jobs, Jobs, Jobs“ und „Bits, Bytes, Bayern“ hat sich die CSU als Merksprüche ausgedacht. Außerdem müsse man den Kampf gegen eine mögliche rot-rot-grüne Bundesregierung aufnehmen – gegen „die Enkel der SED“ und SPD und Grüne als „Steigbügelhalter der Kommunisten“. „Das Bürgerliche muss jetzt aufstehen“, fordert der CSU-Chef.

Der CSU-Chef will nicht mit Grünen regieren

Schwarz-Grün also? Keine Option für Seehofer. „Mit denen wollen wir nicht regieren.“ Mit Merkel auch nicht, so schien es jedenfalls eine ganze Weile im Streit um die Flüchtlingspolitik. Der ist nun zumindest offiziell beigelegt. Seehofer lobt, nach zwölf Jahren Regierung unter Merkels Führung gehe es Deutschland blendend. Und international brauche man sie erst recht: „Ich kenne niemand außer Angela Merkel, der Deutschland in dieser Frage führen kann.“ Es gibt Applaus, aber auch Pfiffe und Buhrufe.

„Zupacken und nicht nörgeln“, hat Seehofer zu Beginn seiner Rede empfohlen, allerdings war das in einem anderen Zusammenhang. Den meisten Applaus bekommt er bei seiner Rede, als er seinen Vorvorgänger Edmund Stoiber erwähnt. „Edmund, Edmund“, ruft der Saal da. „Horst, Horst“, rufen sie nicht.

Seehofer macht deutlich, dass er erstmal weitermachen will. Er werde seine Ämter erst „eines Tages“ weitergeben. „Auch wer kämpft, kann verlieren, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagt Seehofer noch. Verlieren, das kam bisher nicht so oft vor im Vokabular der CSU.