Das undatierte Foto zeigt Claudia Ruf aus Grevenbroich bei Düsseldorf, die seit 11.05.1996 vermisst wurde.
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GrevenbroichAn einer Grundschule in Grevenbroich haben am Samstag keine Kinder, sondern Polizisten und bis zu 300 Männer gestanden. Die Suche nach dem Mörder der elfjährigen Claudia Ruf startete mit einem neuen DNA-Massentest in die nächste Runde. Die Ermittler haben so noch Hoffnung, den Täter - 23 Jahre nach dem Mord - zu finden. Alle Männer, die zum Tatzeitpunkt zwischen 14 und 70 Jahre alt waren, sollen eine Speichelprobe abgeben.

Claudia Ruf war im Mai 1996 sexuell missbraucht und erdrosselt worden. Ihre Leiche wurde 70 Kilometer entfernt in Euskirchen bei Bonn auf einem Feldweg gefunden.

Neben bunten Plakaten am Eingang der Grundschule steht ein Bildschirm, der über den Ablauf des Tests informiert. Die Stationen finden in abgetrennten Klassenräumen statt, um etwas Privatsphäre zu schaffen“, sagt der Chef der Mordkommission, Reinhold Jordan.

900 Menschen sind eingeladen, eine Speichelprobe abzugeben (Symbolbild).
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Über den Klassenräumen sind Schildchen angebracht, die durch den dreischrittigen „Parkour“, wie ihn Jordan nennt, zu führen. Zuerst sollen die Männer sich ausweisen und eine Einverständniserklärung unterschreiben. Erst dann geht es zum eigentlichen Test. Begleitet werden sie von einem Kriminalbeamten. Zur Sicherheit werden zwei Proben entnommen. Rund zehn Minuten dauere ein Durchgang.

Horst I. steht kurz nach Beginn des Massentests vor der Schule. Er war zum Tatzeitpunkt 27 Jahre alt und soll eine Probe abgeben. Er könne sich an Claudias Verschwinden erinnern. „Es war einfach heftig“, sagt der heute 50-Jährige. Seine Tochter habe Claudia gekannt - da sie im selben Ort groß geworden seien. „Es hätte meine Tochter sein können, sie waren gleich alt“, sagt der Grevenbroicher.

„Es ist unsere Pflicht mitzumachen.“

Der Massentest findet in Hemmerden statt. Rund 900 Männer, die an vier Terminen eine Probe abgeben können, sollen ein Bezug zu dem Ort haben - wie der Täter. Der Vater von Claudia hatte zuvor an die Hemmerdener appelliert. Er habe sein Haus in Hemmerden gebaut, weil er dachte, dass seine Kinder dort behütet aufwachsen könnten. „Das war leider nicht so.“ Es bestehe jetzt die Chance, das traurige Schicksal seiner Tochter doch noch aufzuklären.

Horst wünscht sich für die Familie Claudias, dass sie zur Ruhe kommt. „Je mehr Männer an dem Test teilnehmen, desto enger zieht sich die Schlinge“, erklärt er. „Es ist unsere Pflicht mitzumachen.“ Horst habe auch an den vorherigen zwei DNA-Tests im Mordfall Claudia Ruf teilgenommen habe. Diese waren erfolglos geblieben.

Spezialisten hatten den Mordfall erneut untersucht und neue Ermittlungsansätze entdeckt. Anders als damals reiche es inzwischen, wenn ein Verwandter des Täters eine Speichelprobe abgibt. Seit 2017 dürfen Ermittler auch bei sogenannten Beinahe-Treffen Alarm schlagen. Der Bonner Polizeisprecher Robert Scholten sagte, er sei erfreut über das große Interesse der Anwohner. Nach der erneuten Fahndungsaufname sollen mehr als 100 neue Hinweise binnen einer Woche eingegangen sein.