Das Seenotrettungsschiff „Alan Kurdi“.
Foto: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa

HamburgDas deutsche Seenotrettungsschiff „Alan Kurdi“ ist nach Aussage der Crew Ende Oktober auf See von libyschen Milizen angegriffen worden. Jetzt hat die Hamburger Staatsanwaltschaft die Bundespolizei See damit beauftragt, Ermittlungen in dem Fall durchzuführen. Das bestätigte ein Sprecher der Bundespolizei See am Freitag auf Nachfrage der Berliner Zeitung.

Man ermittle wegen Verstößen gegen den Paragrafen 316c des Strafgesetzbuches, hieß es von der Bundespolizei See weiter – also wegen „Angriffen auf den Luft und Seeverkehr“. Laut der Seenotrettungs-Organisation Sea-Eye, der die „Alan Kurdi“ gehört, sollen nun Kapitänin Bärbel Beuse und weitere Crewmitglieder als Zeugen vernommen werden.

Warnschüsse in Luft und Wasser

Der Sea-Eye-Crew zufolge wurde die „Alan Kurdi“ am 26. Oktober bei einem Rettungseinsatz in der libyschen Such- und Rettungszone von drei Schnellbooten unter libyscher Flagge behindert und anschließend bedroht. Man habe 90 Menschen aus einem überfüllten Schlauchboot an Bord bringen wollen. Die Besatzung der libyschen Schiffe sei schwer bewaffnet gewesen und habe erst versucht, die „Alan Kurdi“ abzudrängen und zu blockieren. Anschließend hätten die Libyer Warnschüsse in Luft und Wasser abgegeben. Viele Menschen seien dabei in Panik geraten und ins Wasser gestürzt oder gesprungen. Die Crew blieb unverletzt, eine schwangere Frau soll danach an schweren Unterleibsblutungen gelitten haben.

Dem ARD-Magazin Monitor zufolge habe sich die libysche Küstenwache von dem Vorfall distanziert. Sea-Eye erhebt - gestützt auf Medienberichte - den Vorwurf, dass die libyschen Angreifer zur Seepolizei Zuwara gehören. Die wiederum werde von Frontex, der Europäischen Agentur für Grenz- und Küstenwache, sowie der italienischen Küstenwache ausgerüstet und ausgebildet, heißt es in einer Pressemitteilung weiter.

„Wir müssen zu einer Politik zurückkehren, die Menschenleben schützt “

„Wenn die deutsche Justiz gegen die libyschen Partner der eigenen Bundesregierung ermitteln muss, zeigt das, mit welchen zweifelhaften Partnern auf EU-Ebene versucht wird, die Flucht über das Mittelmeer um jeden Preis zu stoppen“, so ein Sprecher von Sea-Eye.

Es sei erschreckend zu sehen, wenn sich die europäischen Mitgliedstaaten als „Türsteher“ bedienten, sagte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye. Nicht die zivilen Seenotretter würden bestärkt, sondern bewaffnete Milizen. Isler: „Wir müssen zu einer Politik zurückkehren, die Menschenleben schützt und solche Verbrechen verurteilt.“