Köln - Wegen zahlreicher Medienanfragen hat Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies am Montag auf einer Pressekonferenz Stellung bezogen zu den drängenden Fragen der Silvesternacht.

Warum hat die Polizei den Begriff „Nafri“ Samstagabend in einer  Twitter-Nachricht verwendet?

Als sich gegen 23 Uhr Hunderte junge Männer am Hauptbahnhof versammelten, die augenscheinlich aus Nordafrika stammten, twitterte die Polizei: „Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen.“

Das Problem: „Nafri“ ist behördeninterner Jargon für „Gewalt- oder Straftäter nordafrikanischer Herkunft“. In den sozialen Medien entwickelte sich rasch eine erhitzte Debatte über angebliche Vorverurteilungen und rassistischen Sprachgebrauch der Kölner Polizei. Mathies entschuldigte sich eilig für die Veröffentlichung und stellte am Montag zudem klar: Der Beamte, der den Tweet abgesetzt hatte, habe die Gruppe keinesfalls pauschal als Straftäter bezeichnen wollen. Er habe vielmehr wertfrei Menschen nordafrikanischer Herkunft gemeint. Weil auf Twitter eine 140-Zeilen-Beschränkung gilt, habe er die Abkürzung „Nafri“ gewählt. Mathies: „Die Bezeichnung war in diesem Zusammenhang fachlich falsch.“

Warum kamen mehr als tausend junge Männer nordafrikanischer Herkunft zum Silvesterfeiern nach Köln?

„Dass wir darauf noch keine Antwort haben, macht mir Sorgen“, sagt Mathies. Die Polizei habe zwar im Vorfeld soziale Medien beobachtet und andere Erkenntnisse gesammelt, mit einer derart hohen Zahl habe man aber nicht gerechnet. Manche waren aus Frankreich und der Schweiz angereist. 75 Männer, die im Vorjahr mit Straftaten auffielen, hatten vorab ein „Bereichsbetretungsverbot“ bekommen. Wäre die Polizei diesmal nicht früh und konsequent eingeschritten, sei eine Wiederholung der Ereignisse aus dem Vorjahr realistisch gewesen, sagt Mathies. „Gegen 24 Uhr hatte ich Sorge, dass der Einsatz kippen könnte, ist er aber nicht.“ Das Konzept habe gegriffen.

Hat die Polizei nur junge Nordafrikaner kontrolliert – und warum?

Man habe Personen nicht nach Aussehen kontrolliert, sondern nach Verhalten, betont Mathies. Dabei seien die Beamten „mit Augenmaß“ vorgegangen. Gegen 19 Uhr seien zum Beispiel Nordafrikaner am Hauptbahnhof aufgefallen, die in Gruppen herumgestanden hätten, viele alkoholisiert und aggressiv. Sie bekamen Platzverweise. Nach den Erfahrungen im Vorjahr hätten eben nicht „Männer mit grauen Haaren oder Mütter mit Kinderwagen in unserem Täterprofil-Spektrum“ gestanden, so Mathies, sondern außer jungen Männern aus Maghreb-Staaten auch Hooligans, Rechtsextremisten, Rocker und Gruppen mit „Bürgerwehrcharakter“. Die vier Letztgenannten ließen sich aber am Samstag bis auf wenige Ausnahmen nicht blicken.

Wie viele Straftaten gab es denn am Silvesterabend?

Am Dom und auf den Ringen seien für den Zeitraum zwischen 18 und 8 Uhr an Neujahr vier Sexualdelikte angezeigt worden; außerdem rund um den Dom neun Taschendiebstähle (Vorjahr: 365) und 28 Körperverletzungen (94).

Hat sich die böllerfreie Schutzzone um den Dom aus Sicht der Polizei bewährt?

Er habe in Höhe der Kreuzblume erlebt, wie Böller und Raketen „kreuz und quer“ in Menschenmengen geflogen seien, berichtet Mathies. Den städtischen Verantwortlichen will er daher empfehlen, den böllerfreien Raum künftig noch auszudehnen.

Können Silvester und andere Großveranstaltungen in Köln künftig nur noch unter hohem Polizeischutz stattfinden?

„So wie es mal gewesen ist, wird es nicht bleiben“, sagt Mathies. Man müsse sich an Silvester dauerhaft an eine hohe Polizeipräsenz gewöhnen, ebenso an Karneval. Mit seinen Einsatzleitern sei er sich einig, dass das Präsenzkonzept aufrecht erhalten werden müsse. „Wir setzen auf Nachhaltigkeit“, betont Mathies. Auch Kripo-Dienststellen sollen nach dem Willen des Behördenleiters weiterhin verstärkt werden. Ob und wie lange das personell durchzuhalten ist, bleibt abzuwarten.