Demonstranten in Minneapolis. 
Foto: AP/John Minchillo

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in der US-Großstadt Minneapolis ist einer der an dem brutalen Einsatz beteiligten Polizisten festgenommen worden. US-Medien berichteten am Freitag übereinstimmend, es handle sich um den Polizisten, der sein Knie minutenlang an den Hals Floyds gedrückt hatte. Floyd hatte mehrfach um Hilfe gefleht, bevor er das Bewusstsein verlor, wie ein Video festgehalten hatte. Der 46-Jährige starb dann im Krankenhaus. Infolge seines Todes war es in den vergangenen Nächten zu schweren Ausschreitungen in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota gekommen.

Die vier an dem Einsatz beteiligten Polizisten wurden entlassen. Sie wurden zunächst aber weder festgenommen noch angeklagt, was zu wütenden Protesten führte. Doch am Freitag ging es dann sehr schnell. Alle notwendigen Beweise lägen nun vor, der Polizist sei festgenommen und werde wegen Mordes und Totschlags angeklagt, sagte der zuständige Bezirksstaatsanwalt Mike Freeman am Freitag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Die Fälle der anderen drei beteiligten Polizisten würden noch untersucht. So schnell habe seine Behörde in einem vergleichbaren Fall noch nie eine Anklage erhoben, normalerweise dauere das mehrere Monate, sagte Freema. Er räumte ein, dass die Proteste dabei eine Rolle gespielt hätten. „Ich bin nicht unempfindlich demgegenüber, was auf den Straßen passiert.“

Minnesotas Gouverneur Tim Walz sicherte am Freitag bei einer emotionalen Pressekonferenz zu, dass die Justiz das Vorgehen der Beteiligten schnell untersuchen werde. Der Gouverneur teilte das Entsetzen über den Vorfall. „Das Kapitel, das diese Woche geschrieben wurde, ist eines unserer dunkelsten Kapitel“, sagte er. Probleme wie systematischer Rassismus müssten angegangen werden, dies könne aber nicht passieren, solange noch „Anarchie auf den Straßen herrscht“, sagte er. Walz rief Demonstranten eindringlich zum Gewaltverzicht auf.

Nach Angaben der Behörden kam es bei den Unruhen in Minneapolis zu einer unbekannten Zahl von Festnahmen. Walz hatte am Donnerstag auch die Nationalgarde mobilisiert und den Notstand für die Stadt und umliegende Gebiete ausgerufen. Die Nationalgarde teilte mit, mehr als 500 Soldaten seien in die Region entsandt worden, berichtet dpa. 

Eine Polizeiwache in Minneapolis wurde wegen der Zusammenstöße geräumt. «Demonstranten sind gewaltsam in das Gebäude eingedrungen und haben mehrere Brände entzündet», zitierte der Sender CBS aus einer Mitteilung der Polizei. In der Nähe protestierten am Morgen Hunderte Menschen. Die Polizei erklärte daraufhin, die drei Blöcke rund um die Wache seien nun «aus Sicherheitsgründen» bis auf Weiteres für die Öffentlichkeit geschlossen.

Wütende Demonstranten, die der Polizei Rassismus vorwarfen, hatten den Berichten zufolge Fenster der Wache eingeschlagen, waren über Zäune geklettert und hatten Feuerwerkskörper angezündet. Vor dem Gebäude riefen Dutzende: «Keine Gerechtigkeit - kein Frieden». Mehrere Demonstranten hielten auch Plakate mit dem Slogan «Ich kann nicht atmen» - Floyds letzte Worte Floyd.

Bei den Protesten wurde während einer Live-Übertragung auch ein CNN-Team festgenommen. Polizisten hatten zunächst Korrespondent Oscar Jimenez festgenommen, dann seine Kollegen. Die Polizei erklärte wenige Stunden später, drei CNN-Mitarbeiter seien freigelassen worden, nachdem bestätigt worden sei, dass es sich um Medienvertreter handele. Gouverneur Walz entschuldigte sich bei CNN. «Wir müssen sicherstellen, dass die Medien diese wichtigen Ereignisse berichten können.» Die Sicherheit von Journalisten sei oberste Priorität.

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat sich erschüttert über den Tod des Afroamerikaners George Floyd durch das brutale Vorgehen weißer Polizisten geäußert. Rassismus dürfe in den USA niemals „normal“ sein, erklärte Obama am Freitag. „Dies sollte nicht 'normal' sein im Amerika des Jahres 2020. Dies darf nicht 'normal' sein.“

„Wenn wir wollen, dass unsere Kinder in einem Land aufwachsen, das seinen hohen Idealen gerecht wird, müssen wir es besser machen“, erklärte der erste schwarze Präsident der US-Geschichte. Ebenso wie Millionen andere Menschen empfinde er tiefe Trauer und Schmerz über Floyds Tod.