Eine Polizeistreife.
Foto: imago/Ralph Peters

Tochter: Hast du das Video aus Minneapolis in den USA gesehen, wo ein Polizist einen schwarzen Mann umbringt, indem er sein Knie auf dessen Kehle drückt, bis der nicht mehr atmen kann.

Mutter: Ich habe darüber gelesen.

Ich habe auch nur die ersten 30 Sekunden angesehen. Danach wurde es mir echt zu viel. Es ist absolut schockierend, weil der Mann immer wieder sagt, dass er nicht atmen kann und um sein Leben bettelt. Drum herum stehen Passanten und filmen. Offenbar haben sie im späteren Verlauf des Videos versucht einzuschreiten, was aber nichts gebracht hat. Der Mann ist gestorben. Das hat mir mal wieder gezeigt, wie krass rassistisch die Polizei teilweise in Amerika ist und dass die gar nicht als Freund und Helfer wahrgenommen wird wie bei uns, sondern als Feind.

Hier gibt es auch Menschen, die Polizisten als Feinde betrachten. Wie siehst du denn die Polizei?

Ich nehme jedenfalls Polizisten nicht als rassistisch wahr wie in den USA – auch wenn das natürlich eine Beobachtung aus der Ferne ist. Wenn ich einem Polizisten begegne, denke ich, dass der mir helfen wird, wenn ich Hilfe brauche. Und nicht, dass er mir schaden wird.

Das hört sich nach einem guten Verhältnis an.

Na, ich wurde noch nie festgenommen. Das ist ja schon mal ein gutes Verhältnis. Ich finde es nicht schlecht, wenn Polizisten zum Beispiel am Bahnhof sind. Dann denke ich nicht, dass sie mich in meiner Freiheit behindern, sondern dass sie darauf achten, dass mir niemand meine Freiheit wegnimmt. Sie sorgen dafür, dass mir niemand was stiehlt, dass sich keiner prügelt, dass ich sicher bin. So nehme ich Polizisten wahr und nicht: Sie beobachten mich und jetzt werden sie mich gleich festnehmen.

Ging mir auch so als Schülerin. Mit Anfang 20 hatte ich dann eher ein ablehnendes Verhältnis zur Polizei. Da waren Polizisten für mich die, die einen anhalten, wenn das Licht nicht geht am Fahrrad oder am Auto und im Freundes- und Bekanntenkreis wurden Polizisten auch als Werkzeug eines autoritären Staates gegen eine libertäre Gesinnung wahrgenommen.

Ich habe das Gefühl, dass ich mit meiner Meinung zu Polizisten oft ziemlich allein bin. Für alles, was der Staat falsch macht, zum Beispiel auf Demonstrationen, werden erst mal Polizisten beschimpft und auch angegriffen. Ein Großteil der Leute hat, glaube ich, Vorbehalte gegenüber der Polizei.

Sie nehmen Polizisten vielleicht als diejenigen wahr, die sie hindern, etwas zu tun. Und es liegt sicher auch an dem ungleichen Kräfteverhältnis. Polizisten sind ja im Zweifelsfall die Stärkeren. Aber gleichzeitig wollen die meisten auch beschützt werden vor Überfällen zum Beispiel.

Das ist Doppelmoral. Mal ist die Polizei gut und mal schlecht.

Ja, schon. Die meisten Menschen hinterfragen nicht ständig ihre Wahrnehmung. Sie haben ein recht festes Freund-Feind-Bild. Bei dem Fall in den USA ist ein Problem, dass das Opfer ein schwarzer Mann ist und die Polizisten weiß und dass so etwas nicht zum ersten Mal passiert. Es gab aber auch in Deutschland schon Fälle. Es gibt hier auch Rassismus bei der Polizei.

Aber ich glaube, der deutsche Staat geht damit anders um. Es passiert nicht so oft. Aus Amerika hört man immer wieder so etwas. Und die Opfer sind immer Schwarze.