Porträt: Ein Helfer für die Flüchtlingshelfer

Sie geben Deutschunterricht, begleiten  Flüchtlinge auf Behörden und bei Arztbesuchen, verteilen Kleider, helfen bei der Job- und Wohnungssuche: Ohne die freiwilligen Helfer in ganz Deutschland wäre die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen nicht zu schaffen. Um sich stärker zu vernetzen und ihre Interessen besser zu vertreten, soll nun ein bundesweiter Gewerkschaftsbund unter dem Namen „Veto. Bündnis für mehr Menschlichkeit“ aufgebaut werden. 

Treibende Kraft ist Raffael Sonnenschein, ein Flüchtlingshelfer in der bayrischen Kleinstadt Landsberg am Lech. Der Menschenrechtsaktivist und Künstler hat im April vergangenen Jahres auch den Verein Integrationshilfe LLäuft  mitbegründet, der in Landsberg  Flüchtlinge betreut. Er weiß  also aus eigener Erfahrung, was es heißt, sich mit Behörden herumzuschlagen, Fördergeld für Projekte zu beantragen, Deutschkurse zu organisieren, und das alles bis zur völligen Erschöpfung.  Formal gegründet hat sich Veto  im vergangenen Oktober, mit dem Ziel, die Resignation und Frustration unter den Flüchtlingshelfern zu stoppen, und seither hat sich Sonnenschein der Sache vollkommen verschrieben.

„Die freiwilligen Helfer sind ein unschätzbarer Mehrwert der Zivilgesellschaft“, sagt er  beim Gespräch in einem Berliner Hotel, und je länger er spricht, umso schneller und eindringlicher wird er.  „Das muss man erhalten.“ Deshalb sei es dringend notwendig, sich zu organisieren, und zwar bundesweit. Etwa 2 000 Helfer haben sich  Veto bereits angeschlossen, 10 000 will er erreichen, vor allem  die, die nicht unter dem Dach von Wohlfahrtsverbänden arbeiten. Erfahrung mit der Organisation von Protest hat der 47-Jährige. Im Oktober folgten Ehrenamtliche in ganz Bayern dem Aufruf zu einem Warnstreik und protestierten auch lautstark gegen die „populistische Politik“ der bayrischen Staatsregierung. Er kann sich durchaus  vorstellen, dass die Helfer eines Tages erneut streiken, dann aber bundesweit. 

Jetzt ist Sonnenschein aber erst einmal nach Berlin gereist, um für seine Sache zu werben, an höchster Stelle. Zwei Gespräche führte er  zusammen mit seiner Mitstreiterin Manuela Greimel aus dem bayrischen Ampfing  am Dienstag im Kanzleramt, wo unter  Peter Altmaier die Flüchtlingspolitik  koordiniert wird. Sowohl dem Staatsminister Helge Braun (CDU) als auch dem Leiter der Stabsstelle für Flüchtlingspolitik, Jan Hecker, konnte Sonnenschein seine „Resolution für Menschlichkeit“ vortragen.

Darin finden sich ganz konkrete Vorschläge zur Verbesserung von Integrationsmaßnahmen oder die Einrichtung einer zentralen Beschwerdestelle für Flüchtlingshelfer, aber auch sehr dezidierte politische Forderungen wie die, nicht in Kriegsgebiete abzuschieben und die Dublin-Verträge auszusetzen. Dass er überhaupt so weit vordringen konnte, betrachtet  Sonnenschein als ermutigend, ein wenig Stolz ist ihm anzusehen.  Auch Staatsminister Braun ist später auf Nachfrage voll des Lobes über das Gespräch. Bei den politischen Forderungen aber hört die Unterstützung im Kanzleramt auf: Es  dürften  keine falschen Anreize für Asylmissbrauch gesetzt werden.