Berlin - Alles spricht dafür, dass der nächste Bundespräsident Frank-Walter  Steinmeier heißt – aber fast hätten zwei ostdeutsche Frauen das verhindert: Offenbar sind Union und Grüne nur knapp damit gescheitert, die frühere Berliner Grünen-Politikerin Marianne Birthler (68) als gemeinsame Kandidatin aufzustellen. Nach Informationen dieser Zeitung hatte die Ex-Beauftragte für die Stasi-Unterlagen der Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel zunächst zugesagt, auch CSU-Chef Horst Seehofer und die Grünen-Spitze stimmten zu. 

Damit hätte Birthler die Mehrheit in der Bundesversammlung gehabt und wäre erste weibliche Bundespräsidentin geworden. Kurz vor dem entscheidenden Treffen der Koalition am vorigen Sonntag habe sie jedoch telefonisch wieder abgesagt, berichten Eingeweihte. Merkel gab daraufhin der SPD ihre Zustimmung zu deren Wunschkandidaten, sodass im Februar nun wohl vier Männer kandidieren:

Frank-Walter Steinmeier (SPD) wird von der überragenden Mehrheit der Bundesversammlung unterstützt, die aus dem gesamten Bundestag sowie Delegierten der Landesparlamente besteht. Der Außenminister kann auf die etwa 542 Stimmen von CDU/CSU und etwa 387 SPD-Stimmen setzen. Auch die Grünen (etwa 145 Stimmen) und FDP (33) haben signalisiert,  Steinmeier zu wählen. Gerade wegen dieser sicheren Mehrheit werden jedoch abweichende Stimmen als politisches Signal interessant: Wie stark wird von der heutigen Bundestagsmehrheit nach rechts oder links abgewichen?

Klar ist schon, dass die Piraten-Partei, die über ihre Landtagssitze in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein 12 Wahlleute entsendet, Steinmeier ablehnt. Als Architekt der Agenda 2010 und weil er als Kanzleramtsminister die BND-Kollaboration mit den USA forcierte, sei er „unwählbar für uns“, teilten sie auf Anfrage dieser Zeitung mit. Gerade die Begründung spricht dafür, dass die Piraten den Linken-Kandidaten unterstützen könnten. Das werde derzeit geprüft, hieß es.

Christoph Butterwegge (65) ist parteilos, ist aber erklärter Anhänger der Linkspartei und dürfte am Montag bei seinem geplanten Besuch bei den Parteigremien zu ihrem Kandidaten für Bellevue nominiert werden. Der auf Armutsforschung spezialisierte Politologe   erklärte an diesem Freitag seine Bereitschaft  zur Kandidatur, nachdem er der Linken 2012  noch einen Korb gegeben hatte. „Die Spaltung in Arm und Reich vertieft sich immer mehr“, sagte er nun dem Spiegel, „dieses Thema will ich in die Öffentlichkeit tragen.“ Für die Partei ist der Kölner ein regelrechter Anti-Steinmeier: Er ist ein scharfer Kritiker der Agenda-Politik, deren Mitarchitekt der SPD-Mann war. Chancen hat Butterwegge nicht: Die Linke hat nur 94 der 1260 Stimmen, denkbar die Piraten als weitere Unterstützer sowie Einzelne von SPD und Grünen.

Albrecht Glaser (74) ist seit langem als Kandidat der AfD ausgerufen. Weil der heutige Vordenker und Bundesvize der Partei einst CDU-Kommunalpolitiker und Stadtkämmerer von Frankfurt/Main war, hofft er auf Proteststimmen aus der Union, die die 35 AfD-Stimmen aufstocken. Er tritt vor allem gegen Merkel und deren Flüchtlings-, Energie- und Europa-Politik an.

Alexander Hold (54) ist den meisten Deutschen noch als TV-Richter von Sat.1 bekannt, zugleich aber seit 2008 in der Kommunalpolitik für die Freien Wähler im Allgäu aktiv, seit 2014 als Fraktionschef.  Weil die  Freien Wähler im Bayrischen Lantdag sitzen, stellen sie 10 Wahlleute in der Bundesversammlung – und haben Hold im Oktober als eigenen Kandidaten aufgestellt. Als Richter und Kommunalpolitiker stehe er für Recht und Gesetz und einen Gegenentwurf zu den großen Parteien.