Präsidentschaftswahl in Frankreich: Donald Trump hatte auf Marine Le Pen gesetzt – US-Demokraten gratulieren Emmanuel Macron zum Sieg

Köln - Normalerweise geizen die Öffentlichkeitsarbeiter des Weißen Hauses weder mit Worten noch mit Papier. So kann ein positiver Zeitungskommentar zur Politik von Donald Trump schon mal als offizielle Pressemitteilung verbreitet werden. Auch die angeblichen Erfolge des Präsidenten werden mehrseitig vermeldet.

Doch die Erklärung, die Trumps Sprecher Sean Spicer am späten Sonntagabend zur Frankreichwahl abgab, hatte nur zwei Sätze: Er gratulierte Emmanuel Macron und dem französischen Volk „zur erfolgreichen Wahl“ und äußerte die Hoffnung auf eine Fortsetzung der „engen Zusammenarbeit“ mit der Regierung in Paris.

Die bemerkenswerte Kühle kommt nicht von ungefähr. Trump hatte seine Sympathien für Macrons Rivalin Marine Le Pen im Wahlkampf nur notdürftig kaschiert. Zwar empfing er die Vorsitzende des rechtsextremen Front National – anders als den Brexit-Ideologen Nigel Farage – nicht zum Gespräch. Doch Le Pens Kampf gegen das politische Establishment und ihrer islamfeindlichen Anti-Einwanderungspolitik fühlt sich der US-Präsident eng verbunden.

Le Pen bewundert Trump offen – Trump favorisiert sie im Wahlkampf

„Wenn ich Amerikanerin wäre, würde ich Trump wählen“, hatte Le Pen im Herbst gesagt. Umgekehrt bediente sich Trumps Chefstratege Stephen Bannon für seine „America First“-Ideologie ausgiebig bei erzreaktionären französischen Denkern. Trump selbst hat immer wieder betont, dass er sich als prominentesten Vertreter weltweiter nationalistischer Bewegungen sieht. Sein Sohn Donald Trump jr. verbreitete vor zwei Wochen einen Tweet von Farage. Darin hatte der britische Rechtsextremist behauptet: „Macron will Frankreich seines Einflusses berauben. Le Pen will ihn verteidigen. Das ist die Alternative für französische Wähler.“

So eindeutig äußerte sich der US-Präsident persönlich zwar nicht. Doch kurz nach dem Pariser Terroranschlag, bei dem ein Polizist ums Leben kam, twitterte er: „Das französische Volk wird sich das nicht mehr gefallen lassen. Das wird einen großen Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen haben.“ In einem Interview erklärte Trump, Le Pen habe „die entschiedenste Position“ bei der Grenzsicherung und bei der Terrorbekämpfung. Wer in diesen Fragen am härtesten sei, „wird bei der Wahl gut abschneiden“. Der Präsident und die Französin, schrieb die Washington Post, seien „Teil einer wechselseitigen transatlantischen Bewunderungsgesellschaft“.

Clinton meldet sich euphorischer als der US-Präsident zu Wort

Kein Wunder also, dass es Trump am Sonntagabend nach dem Wahlsieg Macrons ganz gegen seine Gewohnheit bei einem einzigen knappen Gratulationstweet für Macron beließ: „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.“ Deutlich euphorischer meldete sich Trumps einstige Gegenkandidatin Hillary Clinton zu Wort: „Ein Sieg für Macron, für Frankreich, die EU und die ganze Welt“, jubelte sie: „Und eine Niederlage für diejenigen, die die Demokratie stören.“

Mehr dürfe sie dazu nicht sagen, setzte Clinton in Anspielung auf den Hackerangriff gegen Macrons Wahlkampfteam hinzu – auch dies eine Parallele zum US-Wahlkampf, bei dem Clintons E-Mail-Konten mutmaßlich von russischen Hackern ausspioniert wurden.