Der Generalstaatsanwalt von Berlin hat am Mittwoch den 30 Jahre alten Imam Murat A. verhaften lassen. Er ist verdächtig, im Internet Mitglieder und Unterstützer für die terroristische Vereinigung Islamischer Staat (IS) geworben zu haben. Außerdem wird gegen ihn wegen des Verdachts ermittelt, für islamistische Gruppen in Syrien moderne Ausstattungsgegenstände wie Nachtsichtgeräte und Zielfernrohre beschafft zu haben. In der Vergangenheit soll er außerdem als Imam beim Moscheeverein Fussilet 33 in der Perleberger Straße in Moabit aufgetreten sein und für den IS geworben haben. Zuletzt habe er durch Äußerungen in einem Interview zum Islamischen Staat für Aufsehen gesorgt, das er unter seiner Alias-Personalie Murat A. dem Online-Magazin Medusa im Mai 2015 gegeben hatte, hieß es in der Begründung für den Haftbefehl. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass Murat A. einer Gruppe angehört, die Anschläge in Deutschland plant, hieß es am Donnerstag.

Murat A. ist russischer Staatsangehöriger. Er stammt aus Dagestan und heißt mit bürgerlichem Namen Gadzhimurad K. Er gehört nach Angaben der Sicherheitsbehörden zur Führungsriege der Berliner Islamisten-Szene. Er ist engster Vertrauter von Ismet D., der sich selbst zum Emir von Berlin ernannt hat, und dessen Finanzchef Emin F.

Elf Wohnungen durchsucht

Beide Männer wurden während einer Großrazzia im Januar dieses Jahres, verhaftet. Bei der Durchsuchung von elf Wohnungen und Geschäftsräumen wurden unter anderem Flugtickets nach Syrien sichergestellt. Angeblich sollten dort Familienangelegenheiten geklärt werden. Die Sicherheitsbehörden dagegen gehen davon aus, dass ein Treffen mit IS- Kämpfern geplant war. Außerdem stehen die beiden in Verdacht, zusammen mit Murat A. angeworbene Dschihadisten nach Syrien geschleust zu haben. Die Ermittlungen gegen Murat A. dauern an. Berlin gilt als Hochburg der radikalen Islamisten in Deutschland. Bundesweit sind 7 000 Verdächtige registriert, 570 von ihnen leben in Berlin, so die Schätzung der Sicherheitsbehörden.

Die Sicherheitsbehörden überwachen über 15 Moscheen und Vereine in der Stadt. Darunter befinden sich die Al-Nur-Moschee in Neukölln und die Moschee As-Sahaba in Wedding.