Die Journalisten sind durch das Grundgesetz zum Schnüffeln bei Behörden, in Sportvereinen, in Wirtschaftsunternehmen, Kirchen oder bei Banken verpflichtet, zum Nachhaken, Nachsehen, Nachfragen, zum auf die Füße treten und zur Ruhestörung. Sie sind dazu verpflichtet, weil in einer Demokratie die Öffentlichkeit zuverlässige Information zur Meinungsbildung benötigt und nur die Presse – genauer: die Massenmedien Presse, Funk und Fernsehen – in der Lage ist, umfassend über Missstände, Meinungen und Gefahren, Verhältnisse und Vorgänge zu berichten und so jedermann mit dem Wissen zu versorgen, das er braucht, um die für ihn essenziellen Fragen abgewogen zu beurteilen. Darum, nur darum, weil die Presse zur Information der Öffentlichkeit verpflichtet ist, ist sie dazu berechtigt, mehr als der einzelne Bürger in Erfahrung zu bringen, nur darum hat sie einen „erweiterten Informationsanspruch“, nur darum heißt es in den Pressegesetzen der Länder: „Die Behörden sind verpflichtet, den Vertretern der Presse, die sich als solche ausweisen, zur Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgabe Auskünfte zu erteilen.“ (Paragraf 4 Berliner Pressegesetz). Mit anderen Worten: Weil die Verfassung von der Presse die Information der Öffentlichkeit verlangt, sind die Behörden zur Information der Presse verpflichtet.

Das war jahrzehntelang in Deutschland selbstverständlich. Jetzt aber hat das Bundesinnenministerium versucht, sich und alle anderen Bundesbehörden mit einem juristischen Trick vor der Nervensäge in Sicherheit zu bringen. Anlass war die Klage eines Journalisten der Bild-Zeitung, der vom Bundesnachrichtendienst (BND) hatte wissen wollen, wie viele hauptamtliche und inoffizielle Mitarbeiter des Dienstes zwischen 1950 und 1980 ehemalige Angehörige von SS, Gestapo und NSDAP waren.

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