Vom Liebling zum Sorgenkind: die Queen und ihr Sohn Prinz Andrew.
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LondonWie gut, dass es Prinz Charles gibt. Zwischen all den Misstönen, mit denen das britische Königshaus derzeit konfrontiert ist, schafft es der Thronfolger, doch noch für ein Schmunzeln und ein wenig öffentliche Sympathiesicherung zu sorgen. Dafür muss er gar nicht viel tun: Der 71-Jährige nutzte einen Besuch bei seiner Schneiderin Emma Willis im zweieinhalb Stunden von London entfernten Gloucester, um sich ganz volks- und bodennah einigen Gedanken zu seiner Linie hinzugeben. Willis, die seit gut sechs Jahren Hemden für Prinz Charles schneidert, habe seine Maße, scherzte er. Es sei „ein nie endender Kampf“, fit zu bleiben – und gar nicht einfach, seine Kleidergröße zu halten.

Hält die Stellung und die Figur: Prinz Charles zu Besuch in der Schneiderei von Emma Willis (r.)
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So weit, so munter. Weniger amüsiert dürfte Charles’ Mutter Queen Elizabeth II. (93) sein, die derweil an vielen anderen Fronten gleichzeitig kämpft. Und morgen, am 19. Februar, hat nun auch noch ihr größtes Sorgenkind Geburtstag. Prinz Andrew, der tief in einen Skandal um den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen verstrickt ist, wird 60. In der Regel würde das öffentlichkeitswirksam gefeiert – doch wie sollte solch eine Feier jetzt aussehen?

Bei den meisten Briten ist Andrew längst in Ungnade gefallen. Dass die Regierung kürzlich ankündigte, die Tradition des landesweiten Flaggenhissens an royalen Geburtstagen zu überdenken, war gewiss kein Zufall. Eine derartige Ehrbezeugung für einen Royal, der wegen seiner Verbindungen zum verurteilten US-Sexualverbrecher Jeffrey Epstein am Pranger steht, käme wohl kaum gut an. Zwar hat Andrew alle öffentlichen Aufgaben niedergelegt, doch die Vorwürfe stehen weiter im Raum. Bei der Aufklärung – hat er mit der damals 17-jährigen Virginia Giuffre Sex gehabt? – gibt der Prinz keine gute Figur ab. „Null Kooperation“ wirft ihm die New Yorker Staatsanwaltschaft bei den Epstein-Ermittlungen vor.

Alles spricht also für einen trüben 60. Geburtstag mit wenig Aufheben. Nur die Glocken der Westminster Abbey sollen Andrew zu Ehren läuten. Vielleicht schaffen sie es ja, eine andere Krisennachricht zu übertönen, die gerade bekannt wurde: David Armstrong-Jones, Neffe der Queen, und seine Frau Serena lassen sich scheiden – die zweite Trennungsankündigung in der Königsfamilie innerhalb einer Woche. Auch das noch.