Die Corona-Warn-App soll helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen.
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BerlinNach Bekanntwerden von Problemen mit der Corona-Warn-App steht die Kommunikation des Gesundheitsministeriums in der Kritik. „Es ist schon grob fahrlässig, dass das Gesundheitsministerium offenbar verschwiegen hat, dass die Warnung bei verschiedenen Geräten längere Zeit nicht erfolgte“, sagte Frank Sitta, der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Der digitalpolitische Sprecher der SPD, Jens Zimmermann, forderte im „Handelsblatt“ schnelle Aufklärung durch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Einem Bericht der „Bild“ zufolge hatte die App auf Millionen Android-Smartphones wochenlang nur schlecht oder gar nicht funktioniert. Nutzer seien im Zweifel nicht oder zu spät gewarnt worden, hieß es, da sich die Anwendung im Hintergrund nicht immer automatisch aktualisiert habe.

Politiker kritisieren mangelnde Transparenz

Das Gesundheitsministerium hatte dazu erklärt, das Problem sei seit längerem bekannt und auch Thema in den „Fragen und Antworten“ (FAQ) der App. Der SPD geht das aber nicht weit genug. „Es ist mehr als ärgerlich, dass die zuständigen Fachpolitiker von dieser Sache aus den Medien erfahren. Ich hätte mir eine offene Kommunikation durch das Gesundheitsministerium gewünscht“, kritisierte Zimmermann. Auch von der digitalpolitischen Sprecherin der AfD, Joana Cotar, hieß es: „Transparenz sieht anders aus.“ Cotar forderte die Bundesregierung auf, die App abzuschalten.

Das Gesundheitsministerium versicherte hingegen, dass die App „zu jeder Zeit“ funktioniert habe. Bestimmte Android-Geräte hätten aber verhindert, dass Apps dauerhaft im Hintergrund laufen. „Das gilt nicht nur für die Corona-Warn-App, sondern für alle Apps auf diesen Smartphones.“ Die Warn-App tausche aber auch ohne diese Hintergrundaktualisierung anonyme Codes mit anderen Smartphones aus. In der neuesten Version sei das Problem der Hintergrundaktualisierung behoben.

Auch ein Sprecher des Unternehmens SAP, das an der Entwicklung der App beteiligt war, sagte: „Es ist keine Fehlfunktion in der App.“ Dieter Janecek, Grünen-Fraktionssprecher für Digitale Wirtschaft, mahnte im Nachrichtenportal „t-online.de“ jedoch: „Solche Fehler dürfen nicht mehr vorkommen, insbesondere wenn zum Herbst hin die Zahlen wieder ansteigen.“

Die Corona-Warn-App soll helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Außerdem kann sie dazu beitragen, dass Menschen nach einem Coronavirus-Test möglichst schnell ihr Testergebnis digital erhalten und über die App anonym mögliche Kontaktpersonen warnen können, wenn diese auch die App installiert haben. Mittlerweile wurde die App 16,2 Millionen Mal heruntergeladen.