Der britische Premierminister Boris Johnson am nahm Wahltag seinen Hund mit in die Methodis Central Hall, Westminster, London. 
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LondonEs ist ein erfolgreicher Abend für den britischen Premierminister Boris Johnson. Seine Konservative Partei hat an diesem Donnerstag bei der Wahl in Großbritannien einer Prognose zufolge die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament gewonnen. Das berichtete der Sender BBC nach Schließung der Wahllokale um 23 Uhr.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Tories liegen mit 368 von 650 Sitzen nicht nur knapp vorne. Der Wahlabend ist ein klarer Sieg für den amtierenden Premierminister.
  • Johnsons Brexit-Plan sieht vor, das Land zum 31.1.2020 aus der EU zu führen. 

Johnson kann mit einer komfortablen Mehrheit rechnen. Die Tories haben demnach 368 von 650 Sitzen gewonnen, die oppositionelle Labour-Partei kam nach der Prognose auf 191 Mandate. Ein belastbares Ergebnis wurde allerdings erst am frühen Freitagmorgen erwartet. Sollte sich die Prognose bestätigen, hätte der Regierungschef, der seit Anfang September keine Mehrheit mehr im Unterhaus hatte, freie Bahn für seinen Brexit-Deal und könnte Großbritannien wie geplant zum 31. Januar 2020 aus der Europäischen Union führen.

Für Jeremy Corbyn, Chef der Labour Partei und damit der Opposition, dürfte das Wahlergebnis ein herber Schlag sein. Ob er sich an der Spitze seiner Partei halten kann, ist zu bezweifeln. 

Die Schottische Nationalpartei erhält laut Prognose 55 Sitze, die Liberaldemokraten 13 Sitze. Beide Parteien positionierten sich schon im Wahlkampf klar gegen den Brexit. Sollte Johnson seinen Plan verfolgen, werden Spannungen zwischen London und Edinburgh nicht ausbleiben. 

Wie funktioniert die Wahl in Großbritannien?

Wahlen in Großbritannien verlaufen getreu dem Motto: "The Winnter takes it all". Wer in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen erhält, zieht ins britische Parlament ein - Stimmen der unterlegenen Konkurrenten verfallen. Durch die Direktwahl reicht eine einzige Stimme Vorsprung, um den Gewinner statt dem Zweitplatzierten ins Parlament einziehen zu lassen. Das führt dazu, dass einzelne Hochburgen für die Parteien wichtiger sein können als der relative Stimmenanteil im gesamten Land.

In vielen der 650 Wahlkreise ist so schon vorab fast festgelegt, wer die Wahl gewinnt. Die Parteien konzentrieren sich deshalb im Wahlkreis vor allem auf unsicherere Wahlkreise. Bei der Wahl 2019 waren vor allem Wahlkreise in Nord- und Mittelengland interessant für Tories und die Labour-Partei. Dort leben viele traditionelle Wähler der Labour-Partei, beim ursprünglichen Brexit-Referendum stimmen jedoch die meisten Wähler für einen EU-Austrit.

Wählen darf man ab einem Alter von 18 Jahren. Wahlberechtigt sind außerdem alle Bürgerinnen und Bürger des Vereinigten Königreichs, der Republik Irland und eines Commonwealth-Landes, beispielsweise also auch Kanada. 

Anders als in Deutschland, wo traditionell an Sonntagen gewählt wird, finden Wahlen in Großbritannien regelmäßig an einem Donnerstag statt.