Programm der Berliner Mauerfall-Feierlichkeiten: Mit dieser App laufen Sie den Mauerstreifen entlang

Berlin - Wer will, kann schon heute anfangen mit dem Gedenken an den Mauerfall vor 30 Jahren, als die friedliche Revolution das SED-Regime und den „antifaschistischen Schutzwall“ zum Einsturz brachte. Seit Montag ist eine App freigeschaltet, mit der die Berliner Mauer über ein Smartphone oder ein Tablet originalgetreu visualisiert nachempfunden werden kann.

Durch „Augmented Reality“, eine besondere Form der erweiterten Realitätswahrnehmung, kann man entlang des Mauerstreifens laufen und erhält bewegliche 3D-Modelle der Mauer auf seinem Display, hört Zeitzeugen-Geschichten oder läuft virtuell über den sogenannten Todesstreifen. Das Besondere: In der App kann man vier verschiedene Zeitpunkte – 1961, 1969, 1981 und 1989 – ansteuern und sehen, wie die Mauer die Stadt über drei Jahrzehnte prägte.

Die App ist kostenlos und Teil des umfangreichen Programms, das der Berliner Senat anlässlich der Festwoche zu 30 Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall vom 4. bis zum 10. November plant. Aber das nur zur Vorbereitung. Denn in der Woche selbst wird es in der ganzen Stadt so viel Programm geben, dass man sich überlegen sollte, ob man sich eine Woche Urlaub nehmen sollte.

Mauerfall-Feierlichkeiten: Kunstinstallation am Brandenburger Tor geplant

Am offiziellen Tag des Gedenkens, also am 9. November, wird es am Brandenburger Tor eine große Bühnenshow geben: Die Staatskapelle unter der Leitung von Daniel Barenboim eröffnet das Programm, Westbam läutet später die Europäische Clubnacht der Berliner Clubcommission ein, die dazu einlädt, in 27 Clubs mit DJs aus unterschiedlichsten Ländern weiterzufeiern.

Während der Woche gibt es zahlreiche Konzerte: Patti Smith und Tony Shanahan werden in der symbolträchtigen Gethsemanekirche ihr Konzert „Mauern werden einstürzen“ spielen, die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot wird auftreten. In der Stasi-Zentrale in Lichtenberg spielt die Punkband Anti X und erinnert an den Punk in der DDR. Genau an dem Ort, an dem am 15. Januar 1990 die wichtigste Machtstütze der SED besetzt wurde.

Eindrucksvoll wird sicherlich auch die Kunstinstallation sein am Brandenburger Tor sein. Alle Berliner und Interessierte sind aufgerufen, ihre Botschaften, Wünsche und Erinnerungen zum Beispiel über die Seite mauerfall30.berlin einzutragen. Im November werden diese Zettel unter dem Motto „Deine Vision im Himmel über Berlin“ über der Straße des 17. Juni flattern, als Teil eines „poetischen und partizipativen Prozesses“, wie es Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturpojekte Berlin, beschreibt. Er verantwortete schon 2009 und 2014 die Feierlichkeiten zum Mauerfall-Jubiläum für den Senat.

Berliner Mauerfall-Feierlichkeiten: Zum 30. Jubiläum wird an sieben Orten wird für Opfer des Grenzregimes gedacht

Beim 20-jährigen Jubiläum fielen am Brandenburger Tor tausend Dominosteine um, sie sollten den Fall der Mauer symbolisieren. Polens Ex-Präsident Lech Walsea und Ungarns Ex-Premier Miklos Nemeth warfen den ersten Block um, dann fiel der zweite, bis alle am Boden lagen. Vor fünf Jahren ließen 8000 Menschen leuchtende Heliumballons entlang des Mauerstreifens in den Abendhimmel steigen. Eindrucksvolle Bilder, die ein starkes Zeichen bürgerschaftlichen Engagements setzten.

Anders als in den Jubiläumsjahren zuvor wird nun an sieben Orten der Opfer des tödlichen Grenzregimes gedacht, die alle in Verbindung zueinander stehen. Videoprojektionen, Bilder, Sound-Animationen, Workshops oder Kunst, das Programm ist dezentral gestaltet „und für jeden wird etwas dabei sein“, betont van Dülmen.

„Geschichte lässt sich am besten an Originalschauplätzen erzählen. Um die Friedliche Revolution zu verstehen und das Mauerfall-Jubiläum zu feiern, werden wir die Ereignisse von 1989/90 genau dort erzählen, wo sie passiert sind“, sagte van Dülmen am Montag bei der Vorstellung des Programms mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) in der Gethsemanekirche, die ebenfalls im Fokus der Festwoche stehen wird.