Unruhen in Südamerika.
Grafik: A. Rigamonti, Redaktion: J. Schneider/dpa

Buenos AiresSeit Wochen wird Südamerika von einer Welle der Proteste erschüttert. Die Wut der Menschen richtet sich gegen rechte und linke Regierungen gleichermaßen: Mal demonstrieren sie gegen soziale Ungleichheit, mal fühlen sie sich um ihre Stimmen bei der Wahl betrogen. Der Kontinent ist in Aufruhr.

Bolivien: Präsident Morales gestürzt

Polizisten hindern Demonstranten daran, zum Regierungssitz vorzudringen.
Foto:  AP/dpa/Juan Karita

Nach wochenlangen Protesten hat das Militär dem dienstältesten Präsidenten des Kontinents die Tür gewiesen. Nachdem Manipulationen bei der Wiederwahl von Evo Morales in Bolivien ruchbar wurden, legten die Streitkräfte dem Staatschef den Rücktritt nahe. Wenig später setzte sich der erste indigene Präsident des Landes ins Exil nach Mexiko ab. In dem Andenstaat kam es indes zu gewalttätigen Protesten. Aufgebrachte Morales-Anhänger plünderten Geschäfte und legten Feuer. Das Militär will nun gemeinsam mit der Polizei für Ordnung sorgen.


Chile: Weg für neue Verfassung ist frei

Demonstranten schützten sich vor einem Wasserstrahl mit Schilden.
Foto:  dpa/Mario Davila/Agencia Uno

Nach wochenlangen Protesten und gewalttätigen Ausschreitungen mit rund 20 Toten hat die chilenische Regierung einer Kernforderung der Demonstranten nachgegeben und den Weg für eine neue Verfassung freigemacht. Der aktuelle Text stammt noch aus Zeiten der Diktatur von General Augusto Pinochet. Chile galt lange als Hort der Stabilität in Südamerika. Allerdings gibt es im reichsten Land der Region hohe Einkommensunterschiede: Vor allem Gesundheitsversorgung und Bildung sind sehr teuer. Die heftigen Proteste entzündeten sich letztlich an einer relativ bescheidenden Erhöhung der Metro-Preise. Wegen der heftigen Demonstrationen sagte Präsident Sebastián Piñera den Asien-Pazifik-Gipfel und die Weltklimakonferenz in Santiago ab.


Venezuela: Erbitterter Machtkampf

Juan Guaido, Oppositionsführer und selbst ernannter Interimspräsident von Venezuela.
Foto: dpa/Daniel Hernandez/Agencia Uno

Seit Anfang des Jahres liefern sich Staatschef Nicolás Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó einen erbitterten Machtkampf. Maduro ist international weitgehend isoliert, hält sich mit Hilfe des Militärs aber weiter an der Macht. Guaidó wird auf dem internationalen Parkett zwar hofiert, kann sich in Venezuela aber nicht durchsetzen. Die humanitäre Lage in dem einst reichen Land mit den weltgrößten Erdölreserven ist katastrophal. Zwar kommt es kaum noch zu Massendemonstrationen gegen die sozialistische Regierung wie zu Jahresbeginn, aber die Menschen stimmen mit den Füßen ab: 4,5 Millionen der gut 30 Millionen Venezolaner haben das Land verlassen.


Ecuador: Tote und Tränengas 

Demonstrant schützt sich mit einer selbstgebauten Gasmaske bei einem Zusammenstoß mit der Polizei in Quito.
Foto:  AP/dpa/Dolores Ochoa

Bei Protesten der indigenen Bevölkerung gegen die Streichung von Benzinsubventionen sind in Ecuador mehrere Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt. Die Demonstranten steckten den Rechnungshof in Quito in Brand, die Polizei ging mit Tränengas und gepanzerten Fahrzeugen gegen die Demonstranten vor. Die Kürzung der Treibstoffsubventionen um jährlich 1,2 Milliarden Dollar war eine IWF-Auflage für einen Kredit von 4,2 Milliarden Dollar. Dadurch kostete der Liter Diesel plötzlich das Doppelte - vor allem indigene Bauern litten unter dem Preissprung. Mittlerweile hat die Regierung von Präsident Lenin Moreno zwar die Subventionsstreichung kassiert, das Problem der hohen Verschuldung und der sozialen Ungleichheit ist damit aber längst nicht vom Tisch.