Sie wollen nicht aufgeben: Zu Hunderten sind die Demonstranten der Bewegung "Occupy Wall Street" in den zuvor geräumten Zuccotti-Park zurückgekehrt. Die Polizei öffnete die Absperrgitter zu der Grünfläche in der Nähe des New Yorker Finanzdistrikt für die Anhänger der Protestbewegung, die sie noch in der Nacht zuvor binnen einer Stunde von dem Gelände vertrieben hatte - teilweise mit Gewalt.

Ein New Yorker Gericht hatte zuvor das von Bürgermeister Michael Bloomberg ausgesprochene Zeltverbot bestätigt. Demnach dürfen die Demonstranten den Park zwar für ihre Proteste und Kundgebungen nutzen, sie dürfen dort jedoch nicht mehr campieren. Das Oberste Gericht hob damit eine Eilentscheidung auf, die die Räumung zuvor für unzulässig erklärt hatte. Der Park müsse der gesamten Öffentlichkeit zur freien Verfügung stehen und dürfe daher nicht dauerhaft von der Occupy-Bewegung besetzt werden. Keine Zelte, keine Abdeckplanen also, noch nicht einmal Schlafsäcke, Stromgeneratoren oder elektrische Öfen sind gestattet.

Die Demonstranten wollen sich davon nicht einschüchtern lassen - trotz der unbequemen Witterung. Bereits am Abend hielten sie ihre erste Versammlung auf dem "Platz der Freiheit", wie sie das Gelände im Zuccotti-Park nennen, ab. Die Botschaft an die Stadt New York ist auf der Internetseite zu lesen: "Sie haben uns ihre Macht gezeigt, nun zeigen wir ihnen unsere!" Und, in Bezug auf die Räumung: "Man kann keine Botschaft gewaltsam vertreiben, deren Zeit gekommen ist."

Demonstranten wollen die Börse blockieren

Die Protestler werfen der Stadtverwaltung vor, im Interesse der Wall Street gehandelt zu haben. Die Räumung des Lagers erfolgte nur Stunden nach einer Ankündigung der Occupy-Bewegung, am morgigen Donnerstag mit einer großen Straßenaktion die New Yorker Börse lahmlegen zu wollen. Der Aufruf dazu erfolgte über die Facebook-Seite der Bewegung. Dort wird weiterhin dazu aufgerufen, von 7 bis 10 Uhr den Finanzdistrikt zu blockieren. Die Organisatoren hoffen auf Zehntausende Unterstützer zum zweimonatigen Jubiläum des Occupy-Lagers in New York.

Das Camp in der Nähe der Wall Street besteht seit zwei Monaten und gilt als Wiege der weltweiten Protestbewegung gegen die Macht der Finanzmärkte und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Die US-Behörden betrachten die Zeltlager der Bewegung jedoch zunehmend als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und bemängeln die hygienischen Zustände. In den vergangenen Tagen waren bereits Occupy-Camps in Oakland, Portland, Salt Lake City und anderen Städten geräumt worden.

Am Dienstag gab es erneut einen gewalttätigen Zwischenfall im Occupy-Umfeld: Während einer Protestkundgebung von rund tausend Studenten auf dem Campus der Universität Berkeley bei San Francisco schossen Polizisten einen Mann an, der mit einer Waffe in einen Computerraum der Universität gegangen war. Er sei verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte die Universität mit. Die Organisatoren des Protests versicherten jedoch, der Vorfall stehe in keiner Verbindung zu der Demonstration.

In Deutschland hat die Occupy-Bewegung in Frankfurt vor der Europäischen Zentralbank und in Berlin nahe dem Regierungsviertel ihr Lager aufgeschlagen. Einige Anhänger demonstrierten am Dienstag vor der US-Botschaft in Berlin gegen die Räumung des New Yorker Camps. Hierzulande dürfen die Protestler bis mindestens Ende November in den Stadtzentren campieren.