3713 Übergriffe sind in der Anklage aufgelistet: Ein Vater hat zugegeben, seine beiden Töchter und seinen Sohn jahrelang sexuell missbraucht zu haben. Vor dem Berliner Landgericht legte der 42-Jährige am Montag ein umfassendes Geständnis ab. Zu den ersten Taten sei es beim Kuscheln gekommen, sagte der Angeklagte zu Prozessbeginn. Die Richter erließen Haftbefehl gegen den Mann. „Weil mit einer erheblichen Strafe zu rechnen ist, besteht Fluchtgefahr“, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Tatzeitraum von 14 Jahren aus. Die beiden Töchter sind heute 19 und 17 Jahre alt, der Junge elf Jahre. Die Kinder seien jeweils etwa drei Jahre alt gewesen, als sie Opfer des eigenen Vaters wurden. „Es war die Erregung, sie zu berühren“, sagte der Angeklagte. Er sei sich bewusst gewesen, dass es falsch war. “Ich dachte darüber nach, aber es führte nicht zur Umkehr, da war ich nicht ich selbst“, erklärte der IT-Systemelektroniker.

Der Angeklagte lebte mit der Mutter seiner Kinder bis 2009 in einer eheähnlichen Gemeinschaft. Das Sexualleben mit seiner Partnerin habe ihn „nie ganz befriedigt“, sagte der Angeklagte. Obwohl die meisten Taten gegen die Kinder in der gemeinsamen Wohnung in Marzahn geschahen, habe die Mutter seiner Meinung nach nichts bemerkt.

„Glück gehabt, dass er bislang frei war“

Zehn Jahre lang missbrauchte er laut Anklage die älteste Tochter. Vier Mal wöchentlich habe er sich an dem Mädchen vergangen. An der zwei Jahre jüngeren Schwester habe er „beischlafähnliche“ Handlungen vorgenommen, als sie neun Jahre alt war. Diese Tochter sei zwölf gewesen, als er erstmals mit ihr schlief. Auch auf den Sohn gab es sechs Jahre lang Übergriffe. Nach der Trennung von der Mutter der Kinder sei es zum Missbrauch gekommen, wenn die Geschwister den Vater besuchten.

Die Kinder hätten untereinander von seinen zumeist nächtlichen Handlungen im Kinderzimmer gewusst, sagte der Angeklagte. Er habe ihnen erklärt: „Wenn ihr gegenüber anderen darüber redet, werdet ihr mich verlieren.“ Die heute 17-jährige Tochter hatte sich im Sommer 2012 offenbart. Die Mutter erstattete daraufhin Anzeige.

Der nicht vorbestrafte Vater hatte sich kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe der Polizei gestellt und umfassend gestanden. Von einem Haftbefehl wurde damals abgesehen. Der Angeklagte habe „Glück gehabt, dass er bislang frei war“, sagte die Vorsitzende Richterin. Nach seinem Geständnis und der Aussage einer der Töchter vor Gericht sei mit einer erheblichen Freiheitsstrafe zu rechnen. Der Prozess wird am 17. Dezember fortgesetzt. (dpa)