AnkaraDer Richter werde das Urteil verlesen, das Erdogan ihm in die Hand gedrückt hat, kommentierte der türkische Journalist Can Dündar vorab den Ausgang seines Prozesses. Genauso kam es. Am Mittwoch verlas ein Richter in Istanbul das Urteil gegen den im Berliner Exil lebenden Ex-Chefredakteur der Oppositionszeitung Cumhuriyet: mehr als 27 Jahren Haft wegen angeblicher Spionage und Terrorunterstützung.

In Wahrheit wurde Dündar zur Last gelegt, was gute Journalisten so tun: guter Journalismus. Doch brauchte Staatschef Recep Tayyip Erdogan den Urteilstext gar nicht vorzuformulieren. Denn die politisierte türkische Justiz führt auch ohne direkten Befehl aus, was er von ihr wünscht. Ihre Richter produzieren am Fließband politische Hafturteile mit fadenscheinigsten Begründungen gegen Oppositionelle. Besonders oft gegen Journalisten, denn Pressefreiheit existiert in Erdogans Reich nur noch auf dem Papier.

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