Düsseldorf - Das Amtsgericht Düsseldorf hat den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder für die Weitergabe von kinder- und jugendpornografischen Dateien zu einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Der 40-Jährige hatte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Teilen eingeräumt. Daraufhin wurde der Prozess bereits am ersten Tag beendet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Metzelder musste sich verantworten, weil er laut Anklage Kinder- und Jugendpornografie besessen und insgesamt 29 Dateien an drei Frauen weitergeleitet haben soll. Das Amtsgericht sah es laut Urteilsverkündung als erwiesen an, dass er in 26 Fällen Dateien weitergegeben hatte. In einem Fall wurde er für den Besitz bestraft. In der Urteilsbegründung sprach Richterin Astrid Stammerjohann von relativ wenigen Straftaten. „Das besondere öffentliche Interesse ist die Kehrseite ihrer Berühmtheit“, sagte Stammerjohann. Metzelder dürfte für absehbare Zeit weder seiner beruflichen Tätigkeit nachgehen können, noch am öffentlichen Leben teilnehmen.

Positiv sei ihm beim Strafmaß angerechnet worden, dass er frühzeitig eine Therapie absolviert habe. Außerdem sei er nicht vorbestraft und es sei zu erwarten, dass er künftig keine Straftaten mehr begeht. „Für mich hat er echte Reue gezeigt“, sagte die Richterin weiter.

„Screenshots gemacht, im Chat Extremfantasien ausgetauscht“

Metzelders Anwalt Ulrich Sommer ließ anschließend auf dem Gerichtsflur offen, ob sein Mandant das Urteil annehmen wird. Der Prozess habe Fragen zur Rolle der Medien und zu einer möglichen Anstiftung nicht beantwortet. Die Rolle als Angeklagter sei für seinen Mandanten sehr belastend gewesen, deshalb habe er es vorgezogen, in dieser Instanz einen vorläufigen Schlussstrich zu ziehen. „Ob das wirklich ein Schlussstrich ist, werden wir noch erörtern“, sagte Sommer.

Die Staatsanwaltschaft hatte zum Auftakt des Prozesses bei der Verlesung der Anklage auch Details genannt. So soll der ehemalige Nationalspieler im August 2019 an unterschiedlichen Tagen Fotos verschickt haben, die den schweren sexuellen Missbrauch von unter zehn Jahre alten Mädchen zeigen.

Der frühere Spieler von Borussia Dortmund, Schalke 04 und Real Madrid hatte vor Gericht ausgesagt, er habe „auf frei zugänglichen Internetseiten inkriminierte Bilder besorgt, Screenshots gemacht, im Chat Extremfantasien ausgetauscht“. Die Faszination habe „in der Grenzüberschreitung“ gelegen, nicht in den Darstellungen schwersten sexuellen Missbrauchs selbst, sagte Metzelder. Es habe weder Übergriffe gegenüber Kindern und Jugendlichen gegeben, noch seien welche geplant gewesen. „Das hat ausschließlich in einer digitalen Parallelwelt stattgefunden.“ Er habe die Dateien verschickt, „obwohl ich weiß, welches unsägliche Leid gegenüber Kindern hinter jeder Datei steckt“. Er werde die Strafe akzeptieren.

Metzelder will alle öffentlichen Auszeichnungen zurückgeben

Die Anwesenden bat er stellvertretend für alle Opfer sexueller Gewalt um Entschuldigung. „Ich hinterlasse eine Wunde, die niemals verheilen wird“, sagte Metzelder. „Damit werde ich für den Rest meines Lebens leben müssen.“

Vor Gericht kündigte der Fußball-Vizeweltmeister am Donnerstag auch an, alle öffentlichen Auszeichnungen wie den Landesverdienstorden NRW und das Bundesverdienstkreuz zurückzugeben. Dies werde er aus Respekt vor den jetzigen und künftigen Preisträgern tun, sagte Metzelder. Die Durchsuchung bezeichnete er als Zäsur, er lebe seitdem beruflich und privat zurückgezogen.

Die Vorwürfe gegen Metzelder waren im September 2019 bekannt geworden.