Berlin - Sie kommt kurz vor Prozessbeginn in das Kammergericht, drängt sich trotz der auf sie einprasselnden Fragen mit ihrem Anwalt wortlos durch die dichte Menge der wartenden Kameraleute, geht dann schnurstracks in den großen Saal des Kammergerichts. Es ist ein anderer Auftritt von Gina-Lisa Lohfink, als man ihn von ihr kennt. Ganz ohne einen Seufzer vor einer Kamera und ohne dem Handrücken auf der Stirn. Völlig ohne Kommentar, wie sie es zuvor  an den Verhandlungstagen vor dem Amtsgericht Tiergarten gern getan tat. Es gibt keine Inszenierung. Schon gar nicht als Vergewaltigungsopfer.

Das 30-jährige Model, das erst vor kurzem vom RTL-Dschungelcamp in Australien zurückgekommen ist, will an diesem Freitag erreichen, dass ihre Verurteilung wegen falscher Verdächtigungen gegen zwei Männer aufgehoben wird. Lohfink hatte sie der Vergewaltigung bezichtigt und war  deswegen im August 2016 zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt worden. 

Ihr Rechtsanwalt Burkhard Benecken legte gegen den Schuldspruch Revision ein. Noch einen Tag vor dem Prozess sagte er der Nachrichtenagentur dpa, seine Mandantin fühle sich nach ihrem Aufenthalt im Dschungelcamp gut erholt. Sie werde zu der Gerichtsverhandlung kommen. Nun betritt auch der Anwalt mit zusammengekniffenen Lippen den Saal. Und wird an diesem Tag ebenso wie seine Mandantin kein Wort zur Presse sagen. Denn das, was in der nächsten Stunde folgt, ist für den Rechtsvertreter und sein Sternchen ein einziges Fiasko.

Gina-Lisa Lohfink hört man an diesem Tag nur ein einziges Mal sprechen. Im vollbesetzten Gerichtssaal während ihres letzten Wortes, das ihr als Angeklagte zusteht. Sie sei  froh, wenn es nun endlich zu Ende sei. Schließlich sei das hier keine Modenschau. „Ich hätte heute auch gerne etwas anderes gemacht, als hier zu sein“, sagt sie, und ist den Tränen wieder bedenklich nah.

Geldstrafe wird neuverhandelt

Hätte sie doch machen können, betont Ralf Fischer, der  Vorsitzende Richter, später verwundert. Sie hätte  in diesem Revisionsverfahren nicht vor Gericht erscheinen müssen.  Auch bei der ursprünglichen Verhandlung am Amtsgericht  wäre ihre Anwesenheit nicht notwendig gewesen. Fischer weist die Revision der Angeklagten nach kurzer Verhandlung  als in großen Teilen unbegründet zurück. Damit ist Lohfink rechtskräftig wegen falscher Verdächtigung zu 80 Tagessätzen verurteilt. Nur die Höhe der Tagessätze muss vom Amtsgericht neu verhandelt werden.

Das Model hatte behauptet, im Juni 2012 von zwei Männern zum Sex gezwungen worden zu sein. Auf einem im Internet veröffentlichten Video ist zu hören, wie sie ein „Nein, nein und hör auf“ in die Kamera spricht. Damit habe Lohfink lediglich die Filmaufnahme verhindern wollen – nicht aber den Sex, hatte das Amtsgericht geurteilt. Es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Lohfink gelogen hatte, es sprach das Model schuldig.

Es sei ein sorgfältiges Urteil gewesen, sagt nun Richter Fischer. Trotz des politischen Drucks und trotz Demonstrationen einer desorientierten Öffentlichkeit. Der Prozess vor dem Amtsgericht hatte deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. Die einen hielten Lohfink für eine Vorkämpferin für Frauenrechte, die andern bezeichneten ihr Auftreten als  Show.
„Sie haben allen wirklichen Vergewaltigungsopfern einen Bärendienst erwiesen“, sagt Fischer in seiner Urteilsbegründung zu der Angeklagten. Er betont  in ungewöhnlich scharfen Worten, dass  Lohfink ihre Privatsphäre vor dem Gericht in einem Happening beerdigt habe. Sie dürfe sich daher wegen des Medieninteresses  nicht beschweren. „Oder ihr Anwalt hat Sie den Haien vorgeworfen. Dann sollten Sie sich nicht beklagen, sondern ihren Anwalt verklagen“, erklärt der Richter.

Zweite Schlappe für den Anwalt

Doch dabei bleibt es nicht: Fischer wirft dem Verteidiger Unfähigkeit vor. Und eine hohe Medienaffinität, weil der einige Pressevertreter stets gut informiert habe. Der Richter rät dem Model, sich einen neuen Rechtsbeistand zu suchen, „der ihre Interessen besser vertritt als seine eigenen“. Und wenn der auch noch etwas vom Strafrecht verstünde, wäre das ein Gewinn.

Anwalt und Model verlassen nach dem Urteil den Gerichtssaal genauso wortlos wie sie ihn betreten haben – nur durch einen  Hinterausgang. Für  Benecken ist es die zweite Schlappe binnen weniger Tage.  Er vertrat in München auch TV-Sternchen Edona James vor Gericht. Die Transsexuelle hatte einen Mann der Vergewaltigung bezichtigt. Wie sich im Prozess zeigte, war auch das eine Lüge.