Prozessbeginn: Berliner Imam wegen Unterstützung des IS vor Gericht

Vor dem Kammergericht in der Hauptstadt muss sich von diesem Donnerstag an ein Berliner Imam verantworten, der für die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) geworben haben soll. Laut Anklage soll der heute 30-Jährige Ende 2014 in einem Online-Video mit einer Predigt zur Teilnahme am bewaffneten Kampf des IS aufgerufen haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, ein halbes Jahr später in einem Interview die Tötung eines gefangenen jordanischen Piloten sowie eines entführten amerikanischen Journalisten durch den IS in Syrien gerechtfertigt zu haben. Der Prozess wird im besonders gesicherten Saal für Staatsschutz- und Terrorismusdelikte des Gerichts geführt.

Der Beschuldigte soll laut Anklage enge Kontakte zu zwei mutmaßlichen Terrorhelfern aus einem Berliner Moscheeverein gehabt haben. Ismet D. und Emin F. stehen seit Januar selbst vor Gericht. Sie sollen die Terrorgruppe „Dschunud al-Scham“ („Soldaten Syriens“) unterstützt haben. Ismet D. soll laut Angaben von Ermittlern als selbst ernannter „Emir“ in einem Moscheeverein in Wedding potenzielle Kämpfer beim Islamunterricht fanatisiert und auf den Kampf gegen „Ungläubige“ in Syrien vorbereitet haben.

Der nun angeklagte Imam war im Oktober 2015 festgenommen worden. Der Russe dagestanischer Herkunft war nach Angaben aus Justizkreisen Ende Dezember 2002 illegal nach Deutschland eingereist und hatte mit falschen Papieren einen Asylantrag gestellt, der abgelehnt wurde. Zu einer Abschiebung kam es nicht. Der Mann sei zunächst untergetaucht, hieß es. Seit 2007 soll er in das salafistische Spektrum eingebunden gewesen sein, das Gewalt befürwortet. (dpa)