Essen - Acht Monate nach dem Bombenanschlag auf ein Gebetshaus der Sikh-Religion beginnt am Mittwoch in Essen der Prozess gegen drei Jugendliche. Die zur Tatzeit 16 Jahre alten Jungen sollen das Attentat mit einer selbstgebauten Bombe aus islamistischen Motiven begangen haben. Drei Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Eine Jugendkammer des Landgerichts Essen verhandelt den Fall wegen des jugendlichen Alters der mutmaßlichen Täter unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Anklage wertet die Tat als versuchten Mord. Zwei der Jungen sind mittlerweile 17 Jahre alt.
Die drei sollen gemeinsam mit anderen Jugendlichen eine Gruppe gebildet haben, die über einen Chatanbieter in Verbindung stand und plante, „Ungläubige“ zu töten. Dies soll in den Anschlag vom 16. April gemündet sein. Das Gericht rechnet mit einem umfangreichen Verfahren: Es wurden bereits 21 Fortsetzungstermine bis Ende Februar bestimmt.

Bei dem Anschlag zerstörte die Wucht der Detonation eine Eingangstür des Gebetssaals. Im Inneren erlitt ein Priester Brandverletzungen und einen offenen Bruch am Fuß, zwei Gemeindeglieder kamen mit Schnittverletzungen davon. Erst kurz vorher war in dem Saal eine indische Hochzeit mit vielen Gästen gefeiert worden. Die Religion der Sikh stammt aus Nord-Indien. Die Angeklagten sollen laut Anklage die Gemeinde ausgewählt haben, weil sie mit der Behandlung von Muslimen durch Sikhs in Nord-Indien nicht einverstanden seien und die Sikhs von ihnen als „Ungläubige“ angesehen würden. Die drei Jugendlichen, die alle in Deutschland geboren wurden, kommen aus Gelsenkirchen, Essen und Schermbeck im Kreis Wesel. (dpa)