Moskau - Nach den Ausschreitungen am US-Parlamentssitz in Washington hat die Sprecherin des russischen Außenministeriums das Wahlsystem in den USA als „archaisch“ bezeichnet. Bei den Vorfällen handele es sich um eine inneramerikanische Angelegenheit, sagte Maria Sacharowa am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge. „Gleichwohl richten wir die Aufmerksamkeit erneut darauf, dass das US-Wahlsystem archaisch ist, es entspricht nicht heutigen demokratischen Standards.“ Das lasse Raum für „zahlreiche Verstöße“, so Sacharowa. Russland wünsche dem amerikanischen Volk, „dass es diesen dramatischen Moment der eigenen Geschichte mit Würde übersteht“.

Russland war von den US-Demokraten während der gesamten Amtszeit von Trump bezichtigt worden, Trump durch Manipulationen ins Amt gehievt zu haben. Der Sonderermittler Robert Muller konnte in einem aufwändigen Amtsenthebungsverfahren allerdings keine Belege für diese Anschuldigungen finden.

Viele US-Think Tanks und zivilgesellschaftliche Organisationen sowie Regierungsagenturen sehen Russland als autokratischen Staat ohne demokratisches Fundament. Der russische Präsident Wladimir Putin regiert mit großer Härte gegen Regime-Kritiker im eigenen Land und hat erst kürzlich eine Verfassungsreform durchgesetzt, die den Machtanspruch seiner Partei auf lange Zeit durchsetzen soll.  

Die Proteste aufgebrachter Anhänger des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump waren am Mittwoch in der Hauptstadt Washington in Chaos und Gewalt geendet. Trump hatte seine Wahlbetrugsbehauptungen wiederholt und seine Unterstützer dazu aufgerufen, zum Kapitol zu ziehen. Bei dem anschließenden Ansturm auf das Kongressgebäude drangen Demonstranten ins Innere des Kapitols ein. Die beiden Kongresskammern mussten ihre Sitzungen unterbrechen, die Parlamentssäle wurden geräumt. (mit dpa)