Der Kreml hat sich in scharfen Worten gegen Menschen positioniert, die eine Corona-Impfung ablehnen. Diejenigen, die sich weigern, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und aktiv versuchen, andere zur Ablehnung der Impfung zu bewegen, seien „gefährliche Irre“, sagte Dimitri Peskow, der Pressesprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, am Sonntag in einer eigenen Sondersendung zu Covid-19 im russischen Fernsehen.

Peskow trat gemeinsam mit anderen Regierungsbeamten im TV auf, um die Impfkampagne voranzubringen. Auf die Frage der Moderatorin Nailya Asker-Zade, was er von Impfgegnern halte, sagte Peskow wörtlich: „Gefährliche Irre. Das sind zwei Worte. Nur ein Wort reicht nicht.“ Andrej Shkoda, der Chefarzt einer Klinik in Moskau, sagte in der Sendung, die Impfgegner legten eine „militante Ignoranz“ an den Tag. Ein weiterer Chefarzt aus Moskau, Sergey Tsarenko, bezeichnete Leute, die an der Impfung zweifeln, als „Idioten“. Der russische Gesundheitsminister des Landes, Michail Muraschko, nannte Impfverweigerer „unvernünftig“. Anna Popowa, die Chefin der russischen Gesundheitsbehörde Rospotrebnadzor, konstatierte, die Impfgegner seien „von Angst getrieben“.

Die Impfbereitschaft in Russland ist eher mäßig: Laut Muraschko haben erst 62 Prozent der Russen über 60 Jahre ihre erste Impfung erhalten. Damit liegt Russland weit hinter dem selbstgesteckten Ziel einer Impfquote von 80 Prozent mit vollständigem Impfschutz. Russland hat mit Sputnik V einen eigenen Impfstoff entwickelt, der seit einiger Zeit auch als Nasenspray produziert wird. Präsident Putin hatte das Spray selbst öffentlichkeitswirksam ausprobiert. 

Der staatliche russische Sender RT berichtet in seiner englischsprachigen Ausgabe prominent über die Aussagen des Kreml. In der deutsche Ausgabe von RT Deutsch waren die harten Worte gegen die Impfgegner bis Montagmittag noch nicht publiziert. Die deutsche Ausgabe berichtet laufend eher wohlwollend über die Szene der Impfkritiker und Corona-Proteste. Neulich fragt der Sender im Hinblick auf die Aussage einer ZDF-Bloggerin, die Impfgegner als „Blinddarm“ bezeichnet hatte, ob es sich bei dieser Wortwahl um „Nazi-Sprache“ handle.