Der Rote Platz in Moskau ist fast menschenleer.
Foto: dpa/Christian Thiele

BerlinIm Kampf gegen die Corona-Pandemie hat Russlands Präsident Wladimir Putin die arbeitsfreie Zeit um gut zwei Wochen verlängert. Diese Regelung gelte nun bis einschließlich 11. Mai, sagte der Kremlchef laut dpa am Dienstag bei einer im Staatsfernsehen übertragenen Videokonferenz. Damit wären viele Russen dann insgesamt sechs Wochen bei vollem Lohnausgleich zu Hause. Erst nach dieser Zeit werde es schrittweise Lockerungen geben, meinte Putin.

„Natürlich wünschte man sich, dass die erzwungenen Unannehmlichkeiten bald ein Ende haben“, sagte er. Aber es wäre nachlässig und gefährlich zu glauben, dass die Bedrohung weniger geworden sei. „Wir haben es geschafft, die Ausbreitung etwas zu bremsen. Wir dürfen uns jetzt nicht zufrieden geben. Die Situation bleibt sehr schwierig.“

Anfang Mai gibt es in Russland traditionell viele freie Tage. Der 9. Mai ist einer der wichtigsten Feiertage für das Land. An diesem Tag wird der Sieg der Sowjetunion über Hitler-Deutschland gefeiert. Auch aktuell befinde sich Russland im Kampf gegen einen „Feind“, sagte Putin. Es sei eine schwierige Aufgabe für die ganze Welt. „Wir dürfen jetzt keine Fehler zulassen. Die Mai-Feiertage sind entscheidend.“ Die geplante Siegesparade werde an einem anderen Tag stattfinden, „wenn die Lage sicher ist, vor allem für unsere Veteranen“.

Viele Russen sind bereits seit Ende März im Zwangsurlaub. Nicht wenige befürchten, dass sie nach Lockerung der Maßnahmen in die Arbeitslosigkeit abrutschen. Prognosen zufolge könnten künftig bis zu neun Millionen Menschen ohne Arbeit sein. In vielen Regionen des Landes gelten Ausgangsbeschränkungen. Auch diese sollen etwa in der Millionenmetropole Moskau um zwei weitere Wochen verlängert werden.

Im flächenmäßig größten Land der Erde sind die Infektionszahlen zuletzt rasant gestiegen - mit leichter zeitlicher Verzögerung zu den westeuropäischen Ländern. Am Dienstag gab es landesweit der amtlichen Statistik zufolge mehr als 93.500 Corona-Fälle, rund 6400 mehr als am Tag zuvor. 867 Infizierte starben bisher. Die Zahl der Genesenen wurde mit mehr als 8400 angegeben.

Die Behörden in Moskau sprachen von einem massiven Anstieg von Patienten, die in Krankenhäusern mit einer Lungenentzündung behandelt werden müssten. Die Zahl steige pro Woche um 70 Prozent, sagte Vize-Bürgermeisterin Anastassija Rakowa im Staatsfernsehen. „Das macht uns Sorgen.“ In den nächsten Tagen solle deshalb die Zahl der Klinikbetten auf bis zu 28.000 erhöht werden.

In einigen russischen Regionen gilt bereits eine Pflicht zum Tragen von Atemschutzmasken an öffentlichen Orten. Zuletzt wurden die Tests auf das hochansteckende Virus massiv ausgeweitet.